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gegen das einzelne Warenquantum gehalten, wird der Austausch desletzteren gegen das erstere in der Regel mit sehr viel greiserer Intensitätals der umgekehrte begehrt. Auch besteht dieses Verhältnis nicht nurzwischen den Gegenständen überhaupt und dem Gelde überhaupt, sondernauch zwischen diesem und einzelnen Warenkategorien. Die einzelne
Stecknadel ist fast wertlos, Stecknadeln überhaupt aber sind fast unent-behrlich und »garnicht mit Geld aufzuwiegen«. Unzählige Warenartenverhalten sich so: die Möglichkeit, für Geld das einzelne,Exemplar ohneweiteres zu beschaffen, entwertet dasselbe prinzipiell dem Gelde gegen-über, das Geld erscheint als die herrschende Macht, die über den Gegen-stand verfügt; dagegen die Warenart als Ganze ist in ihrer Bedeutungfür uns mit Geld ganz inkommensurabel und hat ihm gegenüber jenenselbständigen Wert, den die leichte Wiederbeschaffbarkeit des singulärenExemplars so oft für unser Bewufstsein überdeckt. Da das praktischökonomische Interesse sich aber fast ausschliefslich an das ein-zelne Stück, bezw T . eine begrenzte Summe von Stücken,heftet, so hat die Geldwirtschaft es wirklich zustande gebracht, dafsunser Wertgefühl den Dingen gegenüber sein Mafs an ihrem Geldwertzu finden pflegt. Das aber steht ersichtlich in Wechselwirkung mitjenem überwiegenden Interesse, das Geld statt des Gegenstandes inHänden zu haben.
Und dies läuft schliefslich in eine allgemeine Erscheinung aus, dieman das Superadditum des Reichtums nennen und dem unearned profitder Bodenrente vergleichen könnte. Der Reiche geniefst Vorteile, nochüber den Genufs desjenigen hinaus, was er sich für sein Geld konkretbeschaffen kann. Der Kaufmann handelt mit ihm solider und billigerals mit dem Armen, jedermann, auch der garnichts von seinemReichtum profitiert, begegnet ihm zuvorkommender, als dem Armen,es schwebt eine ideale Sphäre fragloser Bevorzugtheit um ihn. Allent-halben kann man beobachten, wie dem Käufer der kostspieligeren Waren-gattung, dem Benutzer der höheren Eisenbahnklasse usw. allerhand kleineBevorzugungen eingeräumt werden; mit dem von ihm bezahlten Sach-wert haben diese eigentlich so wenig zu tun, wie das freundlichereLächeln, mit dem der Kaufmann die teurere Ware verkauft, mit dieser,sondern sie bilden eine Gratisbeilage, die nur dem Konsumenten desBilligeren versagt bleibt,, ohne dafs er doch — und das ist gewisser-mafsen das Härteste dabei — über sachliche Übervorteilung zu klagenberechtigt wäre. Am eigentümlichsten vielleicht zeigt dies eine an sichsehr minime Erscheinung. In den Trambahnen einiger Städte gibt eszwei Klassen, die verschiedene Preise kosten, ohne dafs die höhere