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erheblichere Geldmittel als »Vermögen« — d. h. als das Können, dasImstandesein schlechthin — bezeichnet. Alle diese Möglichkeiten, vondenen freilich nur ein ganz geringer Teil Wirklichkeit werden kann,werden dennoch psychologisch saldiert, sie gerinnen zu dem Eindruckeiner nicht genau bestimmbaren, jede Festlegung ihres erreichbaren Er-folges ablehnenden Macht, und zwar in um so umfänglicherer und ein-drucksvollerer Art, je beweglicher das Vermögen, je leichter es zu jedemmöglichen Zweck verfügbar ist, d. h. also, je vollständiger jeder Ver-mögensbestand Geld oder in Geld umsetzbar ist und je reiner das Geldselbst zum Werkzeug und Durchgangspunkt ohne jede eigene teleologischeQualifikation wird. Die reine Potentialität, die das Geld darstellt, in-sofern es blofs Mittel ist, verdichtet sich zu einer einheitlichen Macht-und Bedeutungsvorstellung, die auch als konkrete Macht und Bedeutungzugunsten des Geldbesitzers wirksam wird — ungefähr wie dem Reizeeines Kunstwerkes nicht nur sein Inhalt und die mit sachlicher Not-wendigkeit damit verbundenen seelischen Reaktionen zugerechnet werden,sondern all die zufälligen, individuellen, indirekten Gefühlskombinationen,die es, hier so und dort anders, anklingen läfst und deren unbestimmteSumme doch erst das Ganze seines Wertes und seiner Bedeutsamkeit füruns umschreibt.
In dem Wesen dieses Superadditums, wenn es so richtig gedeutetist, liegt es, dafs es um so stärker hervor treten mufs, je vollständigerjene Chance und Wahlfreiheit seiner Verwendung vermöge der Gesamt-lage seines Besitzers realisierbar wird. Dies ist am wenigsten bei demArmen der Fall: denn dessen Geldeinkommen ist, weil es nur für dieNotdurft des Lebens ausreicht, von vorn herein determiniert und läfstder Auswahl unter seinen Verwendungsmöglichkeiten nur einen ver-schwindend kleinen Spielraum. Derselbe erweitert sich mit steigendemEinkommen, so dafs jeder Teil des letzteren das Superadditum in demMafs erwirbt, in dem er von den zur Befriedigung des Notdürftigen,Generellen und Vor her bestimmten erforderlichen Teilen absteht; d. h.also, jeder zu der bereits bestehenden Einnahme hinzukommende Teilbesitzt einen höheren Zusatz jenes Superadditums — natürlich unterhalbeiner sehr hoch gelegenen Grenze, oberhalb welcher jeder Einkommens-teil in dieser Hinsicht gleichmäfsig qualifiziert ist. An diesem Punktekann man die fragliche Erscheinung in einer speziellen Konsequenz er-greifen und zwar auf Grund einer, wie mir scheint, auch sonst folgen-reichen Überlegung. Viele Güter sind in solcher Masse vorhanden, dafssie von den zahlungsfähigsten Elementen der Gesellschaft nicht kon-sumiert werden können, sondern, um überhaupt abgesetzt zu werden,