243
ohne von den Gegenständen selbst einen Genufs zu ziehen, ja oft sogar,ohne sich überhaupt noch weiter um sie zu kümmern. Nicht der sub-jektive Reflex des Habens, um dessentwillen sonst erworben und be-sessen wird, trägt hier den Wert, sondern die ganz objektive, von keinenpersönlichen Konsequenzen begleitete Tatsache, dafs diese Dinge eben inihrem Besitze sind, ist für solche Persönlichkeiten wertvoll. Diese Er-scheinung, die in eingeschränkter und weniger extremer Form sehr häufigist, pflegt einfach als Egoismus behandelt zu werden, mit dessen gewöhn-lichen Formen sie allerdings die negative Seite teilt, den Ausschlufsaller Anderen von dem eigenen Besitz ; dennoch unterscheidet sie sich vondiesen durch eine Nüance, die auf folgendem Umweg darzustellen ist.
Es mufs immer wieder hervorgehoben werden, dafs der Gegensatzvon Egoismus und Altruismus die Motivierungen unseres Handelnskeineswegs vollständig umfafst. Wir haben tatsächlich auch ein ob-jektives Interesse daran, dafs gewisse Ereignisse oder Dinge wirklichoder nicht wirklich werden, und zwar völlig ohne Rücksicht auf irgendwelche, ein Subjekt treffenden Folgen derselben. Es ist uns wichtig,dafs in der Welt eine Harmonie, eine Ordnung nach Ideen, eine Bedeut-samkeit — die keineswegs in die üblichen Schemata des Ethischen oderÄsthetischen hineinzupassen braucht — herrsche, und wir fühlen uns zurMitwirkung dazu aufgefordert, ohne doch immer danach zu fragen, obdies irgend einer Persönlichkeit, dem Ich oder einem Du, zur Freudeoder Förderung gereicht. Auf dem religiösen Gebiet kommen die dreiMotivierungen in einer Weise zusammen, die die Stellung der hier frag-lichen besonders durchsichtig macht. Die Erfüllung religiöser Gebotekann aus rein egoistischen Gründen geschehen, sei es in ganz groberWeise aus Furcht oder Hoffnung, sei es, etwas feiner, um des gutenGewissens oder des inneren Befriedigungsgefühles willen, das diese Er-füllung mit sich bringt. Sie kann ferner altruistischen Wesens sein: dieLiebe zu Gott, die Hingabe des Herzens an ihn läfst uns seinen Gebotengehorchen, wie wir die Wünsche eines geliebten Menschen erfüllen, weilseine Freude und Genugtuung unser höchster Lebenswert ist. Endlichaber kann uns dazu ein Gefühl für den objektiven Wert einer Welt-ordnung bewegen, in der der Wille des höchsten Prinzips sich wider-standslos in dem Willen aller einzelnen Elemente fortsetzt, das sachlicheVerhältnis zwischen Gott und uns kann diesen Gehorsam als seinenadäquaten Ausdruck oder seine innerlich notwendige Folge von unsfordern, ohne dafs irgend ein Erfolg für uns selbst, oder eine Freude undZufriedenheit Gottes in diese Motivation einträte. So macht in vielerleiFällen das Zweckbewufstsein an einer objektiven Wirklichkeit Halt und
16 *