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im ökonomischen Gebiet erreicht war. Kann man so die Tote Hand mitder Höhle des Löwen vergleichen, in die alle Fufsspuren hinein-, ausder aber keine herausführen, so ist sie doch auch ein Symbol der all-umfassenden Absolutheit und der Ewigkeit des Prinzips, auf dem dieKirche sich gründete.
Dieses Auswachsen von Gütern zu einem Endzweck, dessen absoluterWert also über die blofse Nutzniefsung hinausreicht, findet in jenenpathologischen Ausartungen des Geldinteresses, dem Geiz und der Geld-gier, seinen reinsten und entschiedensten Fall, ja denjenigen, der dieandern Fälle desselben Typus mehr und mehr in sich hineinzieht. Dennsogar schon solche Güter, die an sich gar nicht ökonomischer Natursind, läfst das zum Endzweck gewordene Geld nicht als ihm koordinierte,definitive Werte bestehen; es genügt ihm nicht, sich neben Weisheit undKunst, neben personale Bedeutung und Stärke, ja neben Schönheit undLiebe als ein weiterer Endzweck des Lebens aufzustellen, sondern indemes dies tut, gewinnt es die Kraft, jene anderen zu Mitteln für sich herab-zudrücken. Um wieviel mehr wird diese Umordnung bei eigentlichökonomischen Gütern stattfinden, deren unbedingtes Festhalten, als seiensie unvergleichliche Werte, töricht erscheinen mufs, sobald man siejederzeit für Geld wiederhaben kann, und vor allem: sobald die restloseAusdrückbarkeit ihres Wertes in Geld sie ihrer individuellen und aufser-halb der reinen indifferenten Wirtschaft stehenden Bedeutung beraubt hat.Der abstrakte Charakter des Geldes, die Entfernung, in der es sich an undfür sich von jedem Einzelgenufs hält, begünstigen eine objektive Freude anihm, das Bewufstsein eines Wertes, der über alle einzelne und persönlicheNutzniefsung weit hinübergreift. Wenn das Geld zunächst nicht mehr indem Sinne Zweck ist, wie irgend ein sonstiges Werkzeug, nämlich umseiner Erfolge willen, sondern dem Geldgierigen als Endzweck gilt, soist es nun weiter nicht einmal in dem Sinne Endzweck, wie ein Genufses ist, sondern für den Geizigen hält es sich jenseits dieser persönlichenSphäre, es ist ihm ein Gegenstand scheuer Achtung, der für ihn selbsttabu ist. Der Geizige liebt das Geld, wie man einen sehr verehrtenMenschen liebt, in dessen blofsem Dasein und darin, dafs wir ihn wissenund unser Mit-ihm-sein empfinden, schon Seligkeit liegt, auch ohne dafsunser Verhältnis zu ihm in die Einzelheit konkreten Geniefsens einginge.Indem der Geizige von vornherein und bewufsterweise darauf verzichtet,das Geld als Mittel zu irgend welchen Genüssen zu benutzen, stellter es zu seiner Subjektivität in eine brückenlose Distanz, die er dennochdurch das Bewufstsein seines Besitzes immerfort zu überwinden sucht.
Bewirkt so der Mittelscharakter des Geldes, dafs es als die abstrakte