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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Form von Genüssen, die man dennoch nicht genieist, auftritt, so hat dieSchätzung seines Besitzes, insoweit es unausgegeben bewahrt wird, eineFärbung von Sachlichkeit, es umkleidet sich mit jenem feinen Reize derResignation, der alle objektiven Endzwecke begleitet und die Positivitätund Negativität des Geniefsens in eine einzigartige und mit Worten nichtweiter ausdrückbare Einheit zusammenschlielst. Beide Momente erreichenim Geize ihre äulserste Spannung gegeneinander, weil das Geld als dasabsolute Mittel auf unbegrenzte Möglichkeiten des Geniefsens hinaus-sieht und zugleich als das absolute Mittel in seinem unausgenütztenBesitz den Genufs noch völlig unangerührt läfst. Nach dieser Seite hinfällt die Bedeutung des Geldes mit der der Macht zusammen; wie dieseist es ein blofses Können, das die Reize einer nur subjektiv antizipier-baren Zukunft in der Form einer objektiv vorhandenen Gegenwartsammelt. Tatsächlich enthält die Vorstellung der »Möglichkeit« zwei,in der Regel nicht hinreichend auseinandergehaltene Motive. Wenn manirgend etwas zu »können« behauptet, so bedeutet dies keineswegs nurdie gedankliche Vorwegnahme eines zukünftigen Geschehens, sonderneinen schon jetzt wirklichen Zustand von Spannkräften, physischen oderpsychischen Koordinationen, bestimmt gerichteten Lagerungen vorhandenerElemente; wer klavierspielen »kann«, unterscheidet sich, auch wenn eres nicht tut, von jemandem, der es nicht kann, keineswegs nur in einemzukünftigen Momente, wo er es tun wird, dieser aber nicht, sondernschon in dem gegenwärtigen durch eine ganz konkrete, gegenwärtigeVerfassung seiner Nerven und Muskeln. Dieser Zustand des Könnens,der an sich garnichts von Zukunft enthält, führt aber nun, zweitens, zuder Wirklichkeit des »Gekonnten« nur durch das Zusammentreffen mitgewissen weiteren Bedingungen, deren Eintreten wir nicht ebenso gewifsvorherwissen. Dieses Unsicherheitsmoment und jenes Gefühl oder Wisseneiner jetzt schon aktuellen Kraft oder Zustandes, bilden die Elemente desKönnens, und zwar in quantitativ sehr mannigfaltigen Mischungen, an-hebend etwa von dem: ich kann klavierspielen wo das Moment desWirklichen sehr überwiegt und die Unsicherheit über die aufserdem er-forderlichen Bedingungen minimal ist, bis zu dem: der nächste Wurfkann alle Neun sein wo die gegebenen und bekannten zuständlichenBedingungen im Augenblick völlig in der Minderzahl sind gegenüberden für jenen Erfolg noch aufserdem erforderlichen, aber völlig unsicherenMomenten. Hier stellt nun das Können, das im Gelde gleichsam ge-ronnen und Substanz geworden ist, eine ganz einzigartige Kombinationdar. Was man an ihm wirklich besitzt, ist, in seiner Beschränkung aufden Augenblick des Besitzes, gleich Null; das Entscheidende dafür, dafs