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es sich zu wertvollen Ergebnissen entwickle, liegt vielmehr ganz aufser-halb seiner. Aber die Sicherheit, dafs dieses Anderweitige auch wirklichim richtigen Momente dasein werde, ist ungeheuer grols. Während inder Regel das im »Können« enthaltene Mals von Festigkeit und Un-zweideutigkeit in dem gegenwärtig Vorhandenen und Tatsächlichen liegt,alles Künftige aber unsicher ist, ist dem Gelde gegenüber diese letztereUnsicherheit völlig verschwunden, dagegen aber ist das schon Gegen-wärtige, aktuell Besessene als solches völlig belanglos. Dadurch ist derspezifische Ton des Könnens an ihm auf das äufserste zugespitzt: es istwirklich blofses Können, im Sinne einer Zukunft, an der das Gegen-wärtige, das wir in der Hand haben, allein seine Bedeutung hat; aberes ist auch wirkliches Können im Sinne völliger Gewifsheit über dieRealisierbarkeit solcher Zukunft.
Die Sicherheit der Befriedigung steigert sich hier noch durch dieBesonderheit des Verhältnisses zwischen Wunsch und Erfüllung, die dasGeld gegenüber den übrigen Gegenständen unseres Interesses besitzt.Die subjektiven Folgen eines erreichten Wunsches bilden keineswegsimmer das genaue Komplement des Entbehrungszustandes, der ihn ent-stehen liefs. Das Entbehren eines Gegenstandes ist nicht wie ein Loch,das sein Besitz genau ausfüllte, so dafs nun alles wäre wie vor demWunsch. So stellt es freilich Schopenhauer dar, für den deshalb alleBeglückung nur etwas Negatives ist, nur die Beseitigung des Schmerz-zustandes, den die Entbehrung uns bereitet hat. Wenn man aber dasGlück als etwas Positives gelten läfst, so ist doch die Erreichung unsererWünsche nicht nur das Aufheben eines negativen Zustandes durch dengenau entsprechenden positiven, vermehrt um ein mitschwebendes Glücks-gefühl. Vielmehr, das Verhältnis des Wunsches zu seiner Erfüllung istein unendlich mannigfaltiges, weil der Wunsch fast nie alle Seiten desGegenstandes, d. h. seiner Wirkung auf uns berücksichtigt. An seinerWirklichkeit haben wir fast niemals das, was er uns unter der Kategorieder Möglichkeit, des Habenwollens, bedeutete. Die triviale Weisheit hatrecht, dafs der Besitz des Gewollten uns in der Regel enttäuscht, undzwar nach der guten wie nach der schlimmen Seite, wie auch so, dafsdas Anderssein des Habens nur als ein tatsächliches, aber von keinemGefühl begleitetes bewufst wird. Das Geld indes nimmt hier eine Sonder-stellung ein. Einerseits treibt es freilich jene Inkommensurabilität zwischendem Wunsch und seinem Objekt auf den Gipfel. Die Bestrebung, diesich zunächst auf das Geld gerichtet hat, findet an ihm nur ein ganzbestimmungsloses Etwas, von dem ein Begehren, so lange es rationellist, absolut nicht befriedigt werden kann, und das sich seinem völlig