272
das Geld durch die blolsen Unterschiede seiner Quantität einen ganz ver-schiedenen qualitativen Charakter annimmt und das wirtschaftliche Geld-wesen qualitativ ganz verschiedenen Formen unterstellt. Die ganzeäufsere, ja innere Bedeutung einer Geldsumme ist eine andere, je nach-dem sie unterhalb oder oberhalb jenes Teilstriches steht; welches vonbeiden aber der Fall ist, hängt ausschliefslich davon ab, mit welchemQuantum sonst vorhandenen Geldbesitzes zusammen sie das Vermögendes Besitzers ausmacht. Mit dem Wechsel seines Quantums gewinnt esvöllig neue Qualitäten.
Dies ordnet sich schliefslich einer sehr allgemeinen Form des Ver-haltens der Dinge ein, die ihre auffälligste Erfüllung auf psychologischemGebiet findet. Es handelt sich darum, dafs quantitative Steigerungenvon Erscheinungen, die als Ursachen wirken, nicht immer die gleich-mäfsige, entsprechende Steigerung ihrer Folgen hervorrufen. Vielmehr,,derjenige Stärkezuwachs der Ursache, der einen bestimmten Zuwachsder Folge veranlafste, kann auf höheren Stufen derselben Skala nichtmehr zu dem gleichen zureichen, sondern es wird bei absolut gesteigertenMafsen einer sehr gesteigerten Einwirkung bedürfen, um nur den gleichenEffekt zu erzielen. Ich erinnere etwa an die häufige Erscheinung, dafsBetriebsmittel, die auf einem neu erschlossenen Erwerbsgebiet ein be-stimmtes Erträgnis geben, später sehr vermehrt werden müssen, umeben dasselbe zu erzielen; oder an die Wirkung von Medikamenten, diesich Anfangs durch eine geringe Erhöhung der Dosierung erheblichsteigern läfst, während spätere, objektiv gleiche Vermehrungen nur sehrverminderte Wirkungen [ausüben; oder an die Beglückung, die in be-engten Vermögensverhältnissen ein Gewinn hervorruft, nach dessenkontinuierlicher Fortsetzung schliefslich dem gleichen Gewinnquantumgar keine Glücksreaktion mehr entspricht. Das häufigst behandelte Bei-spiel betrifft die sogenannte Schwelle des Bewufstseins: äufsere Reize,die unsere Nerven treffen, sind unterhalb einer gewissen Stärke über-haupt nicht merkbar; mit Erreichung derselben lösen sie plötzlich Emp-findungen aus, ihre blofs quantitative Steigerung schlägt in eine Wirkungvon äufserst qualitativer Bestimmtheit um; in mancherlei Fällen abererreicht die Steigerung auch wieder in bezug auf diese Wirkung eineobere Grenze, so dafs die einfache Fortsetzung der Reizverstärkung überdiese hinaus die Empfindung wieder verschwinden läfst. Hiermit istschon auf die zugespitzteste Form jener Diskrepanz zwischen Ursacheund Wirkung hingewiesen, die durch die blofs quantitative Steigerungder ersteren veranlafst wird: auf das direkte Umspringen der Wirkungin ihr Gegenteil. An dem obigen Beispiel der Medikamente findet auch