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dies statt: insbesondere durch homöopathische Versuche steht es fest,dafs durch rein quantitative Abänderungen der Dosierung bei einem unddemselben Patienten eine direkte Gegensätzlichkeit der Wirkungen er-zielt werden kann; auch bei Elektrisationen ist beobachtet, dafs häufigereWiederholungen den Erfolg in sein Gegenteil und wieder in das Gegen-teil des Gegenteiles Umschlagen liefsen. Dafs fast alle lustbringendenSinnesreize durch blofse Häufung und Verstärkung nach einer anfäng-lichen Hebung des Lustgefühles zu einer Aufhebung desselben und zupositiven Schmerzen führen können, ist eine alltägliche Erfahrung vongrofser und typischer Bedeutung. Endlich zeigt sich die Inkommensura-bilität zwischen dem objektiven, veranlassenden Reize und der subjektivenEmpfindung, die er auslöst, auch in folgender Weise. Sehr niedrigeökonomische Werte, die aber zweifellos Werte sind, regen uns dennochoft nicht zu demjenigen Verhalten an, das sonst dem ökonomischen Wertals solchem entspricht. Es gibt geldwerte Objekte, deren Geldwert viel-fach überhaupt nicht gerechnet wird, garnicht als Faktor in die Operationmit ihnen eintritt, z. B. Postmarken. Man mutet fremden Leuten, vondenen man sonst nicht für einen Pfennig Wert verlangen dürfte oderwürde, Antwort auf Anfragen zu, an denen sie selbst gar kein Interessehaben, und das Hinzufügen der Antwortmarke wird man einem Gleich-stehenden gegenüber kaum wagen. Auch wer sonst mit Groschen über-legt sparsam umgeht, pflegt an eine Briefmarke oder auch einenStrafsenbahngroschen weniger Sparsamkeitsbedenken zu knüpfen, als anvieles andere Gleichwertige. Es scheint eine freilich nach dem Ver-mögen und dem Temperament des Subjekts sehr verschieden liegendeSchwelle des ökonomischen Bewufstseins zu geben, derart,dafs ökonomische Reize, welche unterhalb derselben bleiben, garnicht alsökonomische empfunden werden. Dies ist wohl eine Erscheinung, dieallen höheren Gebieten gemeinsam ist. Denn diese entstehen doch, in-dem sonst schon vorhandene und merkbare Elemente zu einer neuenForm Zusammengehen und dadurch zu einer Bedeutung erhoben werden,die sie bisher nicht kannten: so werden die Dinge zu Gegenständen desRechts, des ästhetischen Genusses, der philosophischen Betrachtung —Dinge, deren längst bekanntem Inhalt so eine neue Seite zuwächst.Dazu aber, dafs dies geschieht, wird in vielen Fällen ein bestimmtesQuantum solcher Elemente vorausgesetzt; bleiben sie unterhalb desselben,so steigen sie nicht zu den höheren und relativ schwer reizbaren Schichtendes Bewufstseins auf, in denen jene Kategorien wohnen. So mögen z. B.gewisse Farben oder Farbenkombinationen mit voller Deutlichkeit wahr-genommen werden — aber ein ästhetisches Gefallen erregen sie doch