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er solle lieber auf viele Gegenstände je eine geringe Steuer legen, stattauf einen einzigen eine hohe, da das Volk sich sehr schwer vom Geldetrenne (fort dur ä la desserre sei), so macht diese Begründung ihrenAngelpunkt garnicht namhaft; denn das Geld hergeben mufs das Volkin der einen Form so gut wie in • der anderen; nur dafs die einzelneHergabe in der einen unterhalb der Schwelle des ökonomischen Be-wufstseins bleibt und so die einzelne hergegebene Summe nicht ebensoin die Kategorie des wirtschaftlichen Rechnens, Empfindens, Reagierensaufsteigt — gerade wie zwei Gewichte, deren jedes unterhalb derSchwelle des Druckbewufstseins bleibt, nacheinander auf die Hand ge-legt, gar keine Empfindung auslösen, dies aber sogleich tun, wenn siegleichzeitig wirken.
Läfst sich dies als ein passiver Widerstand an unseren einfachenoder komplizierten Empfindungen denken, nach dessen Überwindung sieden Einflufs erst dem Bewulstsein übermitteln, so kann nun dieser Wider-stand auch ein aktiverer werden. Man kann sich vorstellen, unsere auf-nehmenden physisch-psychischen Organe befänden sich in jedem gegebenenMoment in einem Zustand von Bewegtheit bestimmter Richtung undStärke, so dafs die Wirkung eines eintretenden Reizes von dem Verhältnisabhängt, das die von ihm ausgehende innere Bewegung zu jener Vor-gefundenen besitzt: sie kann sich dieser gleichgerichtet einordnen, sodafs sie ungehemmte Ausbreitungsmöglichkeit gewinnt, sie kann ihr auchzuwiderlaufen, so dafs sie in ihrer Wirkung ganz oder teilweise auf-gehoben wird und sozusagen das empfindende Organ erst nach Über-windung eines positiven Widerstandes in der ihr eigenen Richtung zubewegen vermag. Das durch diese Vorstellung bezeichnete Verhaltenbegegnet nun der weiteren Tatsache, die wir als Unterschiedsempfindlich-keit bezeichnen: wir besitzen in der Empfindung kein Mafs für absolute,sondern nur für relative Gröfsen, d. h. nur durch den Unterschiedeiner Empfindung von der andern können wir jeder ein Mafs bestimmen.Diese Erfahrung — deren Modifikationen hier aufser acht bleiben könnenund die für uns nur soweit, wie auch ihre Kritiker sie zugeben, zu geltenbraucht — ist ersichtlich das Fundament der ganzen oben besprochenenErscheinungsreihe. Denn wenn — so hat man dies an einem einfachstenBeispiel ausgedrückt — eine Bewegung im Tastnerven von der Stärke1 um 1 k zugenommen hat, so ist dies das nämliche, wie wenn eine Be-wegung von der Stärke 2 um 2 !a zugenommen hätte. Die Tatsachealso, dafs wir die gleiche Reaktion an den relativ gleichen Unterschiedvon dem gegebenen Empfindungszustand knüpfen, bewirkt es, dafs dieobjektiv gleichen Reize sehr verschiedene subjektive Folgen haben. Je
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