dämonis tische Gewöhnung eingetreten ist, dafs der zur Merklichkeit er-forderte Unterschied mangelt. Diese Antinomie äufsert ihre grolseteleologische Bedeutung auch im wirtschaftlichen Leben; die Unterschieds-empfindlichkeit treibt uns aus jedem gegebenen Zustand zum Erwerbneuer Güter, zur Produktion neuer Geniefsbarkeiten; die Begrenzung derUnterschiedsempfindlichkeit durch den zu überwindenden passiven oderaktiven Widerstand der bestehenden organischen Verfassung zwingt uns,diese neue Richtung auch mit andauernder Energie zu verfolgen und denGewinn der Güter bis zu erheblicherer Quantität fortzusetzen. DieserSteigerung aber setzt die Unterschiedsempfindlichkeit wieder ihre obereGrenze, indem die Gewöhnung an diesen bestimmten Reiz ihn abschwächtund schliefslich den Zuwachs nicht mehr empfinden läfst, sondern zuqualitativ neuen forttreibt. In derselben Weise wie hier die Steigerungder Objektquanten, gleichmäfsig fortschreitend, eine Alternierung innererFolgen bewirkt, können die Geldwerte der Dinge durch ihre einfacheErhöhung zu einem Umschlagen der Begehrungen ihnen gegenüberführen. Zunächst wird ein Gegenstand, der garnichts oder nur einMinimum kostet, sehr oft eben deshalb überhaupt nicht gewertet undbegehrt; sobald sein Preis steigt, entsteht dann auch seine Begehrens-würdigkeit und hebt sich eine Weile mit jenem bis zu einem äufserstenReizpunkte. Wird dann der Preis immer noch weiter gesteigert, so dafsdie Erwerbung für den Betreffenden aulser Frage tritt, so wird das ersteStadium dieses Verzichts vielleicht die gröfste Leidenschaft des Verlangenszeigen, dann aber wird eine Anpassung an ihn, ein Niederkämpfender unnützen Sehnsucht • eintreten, 'ja, nach dem Typus der »saurenTrauben« eine direkte Aversion gegen das doch nicht Erreichbare. Aufsehr vielen Gebieten knüpft sich ein solcher Wechsel des positiven undnegativen Verhaltens an die quantitative Änderung der ökonomischenForderung. Der Steuerdruck, der auf dem russischen Bauern lastet,wird als Ursache seiner schlechten, primitiven und wenig intensiven Wirt-schaft angegeben: der Fleifs lohne sich für ihn nicht, da er doch nichtsübrig behalte als das nackte Leben. Offenbar würde ein etwas geringererDruck, der ihm bei sehr fleifsiger Arbeit einen Gewinn liefse, ihn geradezu möglichst intensiver Bewirtschaftung veranlassen; sänken aber dieAbgaben noch mehr, so würde er vielleicht wieder zu seiner früherenTrägheit zurückkehren, wenn er nun schon mit dieser einen Ertrag hätte,der allen Bedürfnissen seines Kulturniveaus genügte. Oder ein anderesBeispiel: wenn eine Klasse oder ein Individuum zu niedriger Lebens-haltung gezwungen ist und deshalb nur rohe und gemeine Freuden undErholungen kennt, so führt ein etwas erhöhtes Einkommen nur dazu,
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