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der Vorstellungen, Willensimpulse, Gefühle, steht ein Bezirk von Objekten,mit deren Bewulstsein der Gedanke mitschwebt, sie hätten eine dauernde,sachliche, jenseits aller Singularität und Zufälligkeit ihres Vorgestellt-werdens stehende Gültigkeit. Die beharrende Substanz der Dinge unddie gesetzmäfsige Ordnung ihrer Schicksale, der beständige Charakterder Menschen und die Normen der Sittlichkeit, die Forderungen desRechtes und der religiöse Sinn des Weltganzen — alles dies hat einesozusagen ideelle Existenz .und Gültigkeit, die sprachlich nicht anders zubezeichnen ist als durch die Unabhängigkeit von den einzelnen Vorgängen,in denen jene Substanz und Gesetzlichkeit sich darstellt oder in denenjenen Forderungen und Normen genügt oder nicht genügt wird. Wiewir den beharrenden Charakter einer Person von den einzelnen Handlungenunterscheiden, in denen er sich ausprägt oder die ihm auch widersprechen,so besteht etwa der sittliche Imperativ in ganz ungebrochener Würde,ob ihm im Empirischen gehorcht wird oder nicht; wie der geometrischeSatz gilt, unabhängig von den einzelnen Figuren, die ihn genau oderungenau repräsentieren, so bestehen die Stoffe und Kräfte des Weltganzen,gleichviel welche Teile davon das menschliche Vorstellen abwechselndfür sich herauslöst.
Gewifs mufs die Erkenntnistheorie das ewige Naturgesetz von derzeitlichen Summe seiner Verwirklichungen unterscheiden; allein ich sehenicht ein, was es innerhalb der Praxis des Erkennens nochaufser der Bestimmung jeder überhaupt je eintretenden einzelnen Ver-wirklichung leisten soll. Gewifs ist der objektive Gegenstand im gleichenSinn zu unterscheiden von den subjektiven Wahrnehmungen, in denener sich darstellt; allein seine Bedeutung besteht doch nur darin, jedeüberhaupt mögliche Wahrnehmung seiner eindeutig zu bestimmen; gewifssteht die sittliche Norm jenseits der einzelnen Handlungen, auf die siepositive oder negative Anwendung findet, aber sie hat doch nur denSinn, jeder dergleichen Handlung ^ihren Wert zu bestimmen, und wennes überhaupt keine Einzelhandlungen gäbe noch geben könnte, mit denensie sich berührt, so würde ihre reale Bedeutung gleich Null sein. Kurz,wovon die Kategorie jener Substanzen und Werte sich allerdings generellunterscheidet, ist jeder Einzelfall als solcher und die noch so grofse relativeSumme der Einzelfälle; ihre absolute Summe aber ist ihr restlosesÄquivalent, sie sind, von ihrem metaphysischen Sinne abgesehen, nurder abgekürzte Ausdruck für die Totalität der einzelnen Ereignisse, Vor-stellungen, Aktionen. Und daran darf man sich nicht durch die Tatsacheirre machen lassen, dafs allerdings keine empirische Reihe von Einzel-