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wird. Der spezifische Sachbesitz enthält gleichsam eine rückwärts-gewendete Prädestination; der Besitz von Verschiedenem ist ein ver-schiedenes Besitzen, sobald nicht nur der juristische Sinn des Eigentumsin Frage steht. Der Besitz eines besonders charakterisierten Objektes,der mehr als jenen abstrakten Eigentumsbegriff bedeuten will, ist nichts,was jeder Persönlichkeit ohne weiteres und wie von aufsen angeheftetwerden könnte: er besteht vielmehr aus einer Wechselwirkung zwischenden Kräften oder Qualitäten des Subjekts und denen des Objekts, unddiese Wechselwirkung kann nur bei einem bestimmten Verhältnis beider,das heilst, bei einer bestimmten Qualifikation auch, des Subjektes entstehen.Es ist nur der Revers dieser Überlegung, dafs die W i r k u n g des Be-sitzes auf den Besitzer diesen bestimmt. Wie der Besitz besondererObjekte umsomehr ein echter und aktiver ist, je entschiedener und un-zweideutiger das Subjekt dafür veranlagt ist, so umgekehrt: je gründlicherund eindringlicher der Besitz wirklich besessen, das heilst fruchtbar ge-macht und genossen wird, um so entschiednere und determinierendereWirkungen wird er auf das innere und das äufsere Wesen des Subjektsausüben. So geht eine Kette vom Sein zum Haben und vom Haben-zurück zum Sein. Die Marxische Frage, ob das Bewufstsein der Menschenihr Sein oder ihr Sein ihr Bewufstsein bestimme, findet für ein Teilgebiethier ihre Antwort: denn unter das Sein im Sinne von Marx gehört dasHaben der Menschen. Diese eigentümliche Verbindung aber, vermittelsderen der Mensch durch eine spezifische Anlage auf einen bestimmtenBesitz hingewiesen, durch diesen Besitz aber andrerseits in seinem Wesenbestimmt wird, ist straffer oder loser je nach dem Objekt, das ihrenDrehpunkt bildet. Bei Gegenständen von rein ästhetischer Bedeutung,ökonomischen Werten von sehr arbeitsteiliger Bestimmtheit, Objekten vonschwieriger Zugängigkeit und Verwertbarkeit wird jene Verbindung einesehr stringente sein, und sie wird sich durch die Skala immer geringererspezifischer Bestimmtheit der Objekte hindurch mehr und mehr lockern,bis sie schliefslich beim Gelde ganz auseinanderzufallen scheint.
Die Unabhängigkeit des Seins vom Haben und des Habens vomSein, die das Geld zuwege bringt, zeigt sich zunächst an seinem Erwerb.Denn vermöge des abstrakten Wesens des Geldes münden alle möglichenAnlagen und Betätigungen in ihm. Wie alle Wege nach Rom führen —indem Rom als die oberhalb jedes lokalen Interesses gelegene und imHintergründe jeder Einzelaktion stehende Instanz gedacht wird — so-führen alle ökonomischen Wege auf Geld; und wie deshalb Irenäus Romdas Kompendium der Welt nannte, so Spinoza das Geld omnium rerumcompendium. Es ist mindestens das immer gleiche Nebenprodukt aller