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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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noch so ungleichen Produktionen. Das Geld hat, die Eigentümlichkeit,dafs es durch die Tüchtigkeit in der Behandlung anderer Dinge er-worben wird. Viel Bodenfrüchte werden durch die Tüchtigkeit des Land-wirts, viel Stiefel durch den Fleifs des Schuhmachers gewonnen, vielGeld aber durch die Tüchtigkeit in jedweder besonderen Tätigkeit.Zu seinem Gewinn bedarf es deshalb nicht jener speziellen Anlagen, dieden Erwerb anderer Objekte sonst an das Sein des Subjekts knüpft. Esgibt allerdings Persönlichkeiten, die für die Behandlung der Geldseitealles Verkehrs besondere Begabung zeigen; allein da der Erfolg deswirtschaftlichen Verkehrs überhaupt sich jetzt in Geld ausdrückt, so wirdsehr häufig allgemeine kaufmännische Beanlagung sich als Talent zumGeldverdienen darstellen. Umgekehrt aber wird die oben vorgetrageneDeutung gerade dadurch bestärkt, dafs gewisse Persönlichkeiten durchihren Mangel an Verständnis für alles Geldwesen auffallen. Dafs der-artige Personen sich so charakteristisch abheben ganz anders alssolche, die etwa kein Talent für Landwirtschaft oder für literarische oderfür technische Aufgaben haben beweist gerade, dafs der Gewinn vonGeld an einen viel weiteren Kreis von Qualitäten appelliert, als der jedesanderen Wertes. Dadurch, dafs das Geld seinen Ursprung, d. h. diespezifische Tätigkeit, durch die es, nicht nur im ökonomischen, sondernauch im moralischen Sinne des Wortes »verdient« wird, völlig abstreift,erklärt es sich, dafs der Genufs auch des wohlverdientesten Vermögensleicht etwas Protziges hat und in dem Proletarier ein Hafsgefühl erzeugt,wie es aus andern Prärogativen aus Geburt, Amt, Überlegenheitnicht entspringt, falls nicht noch erschwerende, verbitternde Momente zudiesen hinzutreten.

Andrerseits mag sich eine entsprechende Ausnahme auf den höchstenHöhen der Geldwirtschaft beobachten lassen. An den Transaktionen desgrofsen Finanziers oder Spekulanten kann der Kenner vielleicht die»Hand« der bestimmten Persönlichkeit erkennen, einen eigenen Stil undRhythmus, der die Unternehmungen des einen von denen des anderencharakteristisch unterscheidet. Allein hier kommt erstens in Betracht,was noch an anderen Erscheinungen nachzuweisen sein wird, dafs derblofse Quantitätscharakter des Geldes bei aufserordentlich hohen Summenallerdings einer Nüance qualitativer Eigenheit Platz macht.' Die Indifferenz,Abgeschliffenheit und Banalität, die das Los des fortwährend kursierendenGeldes bilden, reichen nicht in gleichem Mafse an die seltenen und auf-fälligen Konzentrierungen ungeheurer Geldmittel in einer einzigen Handheran. Als das Wesentliche kommt hier hinzu, dafs das Geld überhauptin spezifischen »Geldgeschäften« ein ganz besonderes Wesen annimmt,