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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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äufsern, wie gegenüber dem Arzte. Dies Prinzip liegt nun weiterenVorschlägen zugrunde: so dem noch später zu behandelnden, dafs dasGesetz Geldstrafen nicht nach absoluten Höhen, sondern nach Einkommens-quoten fixiere; oder dafs die Höhe des Streitobjekts, von der an dieAnrufung der höchsten Gerichtsinstanz zulässig ist, nicht mehr, wiebisher, eine absolute Summe, sondern ein bestimmter Teil vom Jahres-einkommen des Beschwerdeführers sei. Ja, man hat neuerdings dasSystem der ungleichen, den Kaufmitteln der Konsumenten entsprechendenPreise zum Allheilmittel der Sozialpolitik erklärt, das die Vorteile desSozialismus ohne seine Nachteile gewähren würde. Hier interessiert unsnicht die Richtigkeit, sondern nur die Tatsache dieses Vorschlags, dereinen eigenartigen Abschlufs der wirtschaftlichen Verkehrsentwicklungmarkiert. Mit rein subjektiv-personalen Besitzwechseln sahen wir diesebeginnen: mit dem Geschenk und dem Raub. Der Tausch, der stattder Menschen die Dinge untereinander in Relation setzt, schafft damitdie Stufe der Objektivität. Diese ist zunächst eine formalistisch-starre,indem sie entweder durch feststehende naturalistische Tauschquanten odergesetzliche Preistaxen verwirklicht und so bei aller objektiven Form dochinhaltlich ganz subjektiv-zufällig ist. Der freiere Handelsverkehr derNeuzeit erweiterte diese Sachlichkeit, indem er alle variabeln und der' zufälligen Sachlage entspringenden Momente in die Preisbestimmung auf-nahm: die Objektivität des Verkehrs wurde elastischer und dadurch aus-greifender. Jener Vorschlag endlich sucht auch noch die individuellstenMomente zu objektivieren: die wirtschaftliche Lage des einzelnen Käuferssoll den Preis des Gegenstandes modifizieren können, dessen er bedarf.Das wäre das Gegenstück oder wenigstens die Ergänzung zur Kosten-theorie; diese behauptet: der Preis hängt von den Bedingungen derProduktion ab; jene: er soll von den Bedingungen der Konsumtion ab-hängen oder wenigstens diesen gemäfs variiert werden. Blieben beieinem Zustand der letzteren Art die Interessen des Produzenten gewahrtwas logisch nicht ausgeschlossen, wenn auch utopisch ist, so würdenun wirklich der Preis bei jedem Kauf alle individuellen Verhältnisse,,die ihm zugrunde liegen, adäquat ausdrücken; alles Subjektive wäre zueinem objektiv-legalen Moment der Preisgestaltung geworden. DieseEntwicklung ginge etwa der eines philosophischen Weltbildes parallel,das alle ursprünglichen objektiven Gegebenheiten als subjektive Gebildeerkennte: aber eben durch diese absolute Zurückführung auf das Ichverliehe es ihnen erst die Einheit, Zusammenhang, Greifbarkeit, die deneigentlichen Sinn und Wert dessen, was wir die Objektivität nennen,,ausmacht. Wie hier das Subjekt über seinen Gegensatz zum Objekt.