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gleichen Rechtes für Alle, wie es in den griechischen Demokratienschliefslich herrschend wurde, spricht so die Lösung jener besonderenBestimmtheit aus, die sonst vom Haben auf das Sein und umgekehrtausstrahlte; aber auch hier stellt sich die Geldwirtschaft nur dar als dermächtigste, gleichsam als der bewufsteste Faktor und Ausdruck einerauf viel breiterer Basis angelegten Bewegung. Und in den germanischenVerhältnissen sehen wir für die älteste Zeit, dafs der Landbesitz nichtein unabhängiges Objekt betraf, sondern die Folge der persönlichen Zu-gehörigkeit des Einzelnen zu seiner Markgemeinde war. Das Land warnicht an und für sich ein derart qualifiziertes Objekt, dafs mit seinemBesitz sich nun das Individuum seine Bedeutungen und Folgen angeeignethätte: sondern weil die Persönlichkeit diese bestimmte Bedeutung hatte,wurde ein bestimmter Landbesitz an sie geknüpft. Diese personaleBindung aber war schon im 10. Jahrhundert verschwunden, und an ihreStelle war eine Selbständigkeit des Grundes und Bodens getreten, dieman fast als eine Personifikation desselben bezeichnen könnte. Damit wardie Tendenz eingeleitet, ihn zu zerschlagen und in alle Ruhelosigkeit deswirtschaftlichen Lebens hineinzuziehen; und als diese Tendenz schliefslichihre Grenze an der von seinem Wesen untrennbaren Stabilität fand, tratdas Geld, das der Persönlichkeit fremdeste Wirtschaftsobjekt, an seineStelle.' Aber es war doch eben nur die geeignetste Substanz für denrestlosen Ausdruck jener Trennung zwischen Sein und Haben, die sichschon vorher an den Verhältnissen des Bodenbesitzes auszuprägen be-gonnen hatte. Endlich zeigt das 13. Jahrhundert dieselbe Erscheinungvon der andern Seite her und am andern Ende der sozialen Leiter.Diese Zeit hat die bäuerliche Freiheit auf einen sehr hohen Stand ge-hoben, wesentlich im deutschen Osten, dessen Kolonisation mit freienBauern geschah, und zwar in engem Zusammenhänge mit der damalsrelativ hoch ausgebildeten Geldwirtschaft. Nach kurzer Zeit indessenerfolgte ein Umschwung: die Grundherrschaft breitete sich aus, ins-besondere im Osten der Elbe, und strebte mit Erfolg dahin, den Baueran die Scholle zu binden; zugleich aber wurden die geldwirtschaftlichenwieder durch naturalwirtschaftliche Verhältnisse verdrängt. Die Fesselungdes Bauern an seine ökonomische Stellung, seines Seins an sein Haben,geht hier dem Sinken der Geldwirtschaft parallel. Und wenn diesletztere Phänomen auch als Ursache des ersteren angesprochen wordenist, so ist es doch sicher nur die hervorstechendste des ganzen Komplexesvon Ursachen, die damals zur Bildung der Grundherrschaften führten.Wenn das Geld an und für sich, als Besitzobjekt betrachtet, gleichsamdurch eine Isolierschicht vom Sein des Besitzenden getrennt ist, so stellt