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einen Ochsen verkaufen durfte. Ja, wer dazu ohne weiteres berechtigtwar, wurde sogar oft als frei angesehen, auch wenn er persönlicheFrohndienste zu leisten hatte. Dafs das Ichgefühl so seine unmittelbarenGrenzen überschritten und sich in Objekten, die es doch nur mittelbarberühren, angesiedelt hat, beweist gerade, wie sehr der Besitz als solchernichts anderes bedeutet, als dafs die Persönlichkeit sich in jene hineinerstreckt und in der Herrschaft über sie ihre Ausdehnungssphäre ge-winnt. Daher die eigentümliche Erscheinung, dafs gelegentlich geradedie Totalität des Habens als Äquivalent der Totalität des Seinserscheint. Im mittelalterlichen Frankreich gab es eine bestimmte Klassevon Leibeigenen, für die die Rechtsbestimmung galt: sie durften in denStand der Freiheit treten, wenn sie ihre gesamte Habe dem Herrnüberliefsen.
Dies hat nun mannigfache Folgen für das Verständnis der Besitz-arten. Wenn Freiheit bedeutet, 'dafs der Wille sich ungehindert ver-wirklichen kann, so scheinen wir also um so freier zu sein, je mehrwir besitzen; denn das hatten wir als den Sinn des Besitzens erkannt,dafs wir mit seinem Inhalt »machen können, was wir wollen« ; mit demBesitz eines Anderen oder demjenigen, was sich überhaupt dem Besessen-werden entzieht, haben wir keine »Freiheit« mehr, zu schalten, wie wirwollen: darum hat, genau im Sinn unserer Auffassung der Freiheit, dielateinische und lange Zeit auch die deutsche Sprache mit dem WortFreiheit die Bedeutung des Vorrechts, der besonderen Begünstigung, ver-bunden. Die Freiheit findet nun ihre Grenze an der Beschaffenheit desbesessenen Objektes selbst. Das wird schon demjenigen Objekt gegen-über sehr fühlbar, das wir doch am unbeschränktesten zu besitzenglauben, unserem Körper. Auch er gibt den psychischen Impulsen nurinnerhalb der eigenen Gesetze seiner Konstitution nach, und gewisseBewegungen und Leistungen kann unser Wille nicht mit irgend welchemErfolge von ihm verlangen. Und so mit allen anderen Objekten. DieFreiheit meines Willens gegenüber einem Stück Holz, das ich besitze,geht freilich so weit, dafs ich allerlei Geräte daraus schnitzen kann;aber sie erlahmt, sobald ich solche davon herstellen will, die die Bieg-samkeit des Gummis oder die Härte des Steins verlangen. Was unserWille mit dem Dinge machen kann, gleicht doch schliefslich nur dem,was der Künstler seinem Instrumente entlocken kann. So tief seinFühlen und Können sich auch in das Instrument einbohren mögen undso wenig die Grenze, bis zu der er es sich unterwerfen kann, auchvorherzubestimmen sei: irgendwo mufs sie liegen; von irgend einemPunkt an gestattet seine Struktur keine weitere Nachgiebigkeit gegen