Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
348
Einzelbild herunterladen
 

348

die Seele; das ist der Punkt, von dem an die Dinge uns nicht mehr»gehören«. Diese prinzipielle Schranke des Besitzens zu übersehen, liegtfreilich der jetzigen Epoche nahe, in der unterbrochene Anpassungen undgleichzeitiger ungezügelter Freiheits- und Besitzdrang unzähliges vonden Dingen verlangen lassen, was sie uns ihrer und unserer Natur nachnicht geben können. Ich erinnere an die erst ganz neuerdingseinigermafsen sich korrigierende Verständnislosigkeit für das Materialin der Kunst; und daran, dafs man Glück und Frieden der Seele immermehr von den äufseren Lebensbedingungen erwartet, von den Fort-schritten der Technik wirkliche Kultur, von der objektiven Struktur derGesellschaft' Zufriedenheit und Vollkommenheit des Individuums.

Im Grofsen und Ganzen ist der Wille unseren Lebensbedingungenso angepafst, dafs er von den Dingen nicht verlangt, was sie nichtleisten können, dafs die Beschränkung unserer Freiheit durch die eigenenGesetze des Besitzes ihnen gegenüber nicht zu positiver Empfindunggelangt; dennoch liefse sich eine Skala der Objekte aufstellen, von derFrage aus, wie weit das Wollen sich im allgemeinen ihrer bemächtigenkann und von wo an sie diesem nicht mehr durchdringbar sind, wieweit sie also wirklich »besessen« werden können. Die äufserste Stufeeiner solchen Skala würde das Geld darstellen. Hier ist jenes Un-gewinnbare, das die Objekte gleichsam für sich reservieren und das sichauch einem noch so unumschränkten Besitz ihrer versagt, völlig ver-schwunden. Es fehlt ihm ganz jene eigene Struktur, durch die dieanderen, bestimmt qualifizierten Dinge, so sehr wir sie auch im juristischenSinne besitzen mögen, sich unserem Willen verweigern, es fügt sich mitunterschiedsloser Leichtigkeit jeder Form und jedem Zweck, den dieserin ihm ausprägen will; nur aus den D in gen', die hinter ihm stehen,mögen uns Hemmnisse quellen; es selbst gibt jeder Direktive, aufwelches Objekt, auf welches Mals der Verteilung, auf welches Tempodes Hingebens oder Reservierens immer, gleichmäfsig nach. So gewährtes denn dem Ich die entschiedenste und restloseste Art, sich in einObjekt hinein auszuleben freilich innerhalb der Grenzen, die es demdurch seine Qualitätslosigkeit steckt, die "so aber eben blofs negativesind und nicht wie bei allen anderen Objekten aus seiner positiven Naturhervorgehen. Alles, was es ist und hat, gibt es vorbehaltlos dem mensch-lichen Willen hin, es wird völlig von diesem aufgesogen, und wenn esihm nicht mehr leistet, als der Fall ist, so liegt jenseits dieser Grenzenicht wie bei allen anderen Objekten ein vorbehaltener und unnach-giebiger Teil seiner Existenz, sondern schlechthin nichts.

Wir haben am Geld das formal nachgiebigste, aber, "aus eben dem