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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Hervorhebung nur deshalb paradox erscheint, weil einerseits die Mittel,zu ihm zu gelangen, an solchen Momenten meistens Mangel leiden, undweil andrerseits diese Freude in dem Augenblick, wo sie als Äufserungaus dem Subjekt heraustritt', dies gleichfalls in ganz anderer als ideali-stischer Form zu tun pflegt; das darf aber nicht die Tatsache verdecken,dafs die Freude am Geldbesitz blofs als solchem eine der abstraktesten,von aller sinnlichen Unmittelbarkeit entferntesten, am ausschliefslichstendurch einen Prozefs des Denkens und der Phantasie vermittelten ist. Sogleicht sie der Freude am Siege, die bei manchen Naturen so stark ist,dafs sie gamicht darnach fragen, was sie denn eigentlich durch den Sieggewinnen.

Diese eigentümliche Art, in der der Geldbesitz die Erweiterung derPersönlichkeit, wie sie in jedem Besitz liegt, darstellt, findet eine Be-stätigung oder Ergänzung in der folgenden Überlegung. Jede Sphärevon Objekten, die ich mit meiner Persönlichkeit erfülle, indem sie meinenWillen sich in ihr ausprägen läfst, fand ihre Grenze an den eigenenGesetzen der Dinge, die mein Wille nicht brechen kann. Allein dieseGrenze setzt nicht nur der passive Widerstand der Objekte, sondern, vonder anderen Seite her, die Beschränktheit in der Expansionsfähigkeit desSubjekts. Der Kreis der Objekte, die dem Willen gehorchen, kann sogrofs sein, dafs das Ich seinerseits nicht mehr imstande ist, ihn zu erfüllen.Wenn wir sagen, dafs Besitz so viel ist als Freiheit, wenn meine Freiheit,das Sich-Durchsetzen meines Willens, sich nach dem Quantum des mirGehörenden steigert, so geschieht dies tatsächlich nur bis zu einer ge-wissen Grenze, von der an das Ich seine potenzielle Herrschaft über dieDinge nicht mehr verwirklichen und geniefsen kann. Die Habgier kannnatürlich über diesen Punkt hinausführen, aber sie offenbart ihre Sinn-losigkeit in der Unbefriedigung, die selbst ihrer Erfüllung eigen ist, jain der gelegentlichen Bindung und Beengung, mit der das Übermafs desBesitzes in das Gegenteil seines eigentlichen Charakters und Zweckesumschlägt. Das ergibt Erscheinungen, wie die des unfruchtbaren Besitzes,weil die Tätigkeit des Besitzers nicht ausreicht, ihn zu befruchten; desDespoten, der es müde wird, über Sklaven zu herrschen, weil an derunbedingten Unterwerfung unter seinen Willen auch der Wille zur Machtendet und ihm der Reibungswiderstand fehlt, an dem er sich seiner ersteigentlich bewufst wird; des Eigentümers, der weder Zeit noch Kraftfür den Genufs seines Eigentums übrig hat, weil dessen Verwaltung undFruktifizierung beide bis zu ihrer äufsersten Grenze verbraucht. DieObjekte unterscheiden sich nun an der Frage, welches Quantum von