gezeigt hat, welches ganz unentbehrliche Organisationsmittel die Über-und Unterordnung ist, und dafs mit ihr eine der fruchtbarsten Formender gesellschaftlichen Produktion verschwände. Die Aufgabe ist also,die Über- und Unterordnung, soweit sie diese Folgen hat, beizubehaltenund zugleich jene psychologischen Folgen, um derentwillen sie per-horresziert wird, zu beseitigen. Diesem Ziele nähert man sich offenbarin dem Mafse, in welchem alle Über- und Unterordnung eine blofstechnische Organisationsform wird, deren rein objektiver Charakter gar-keine subjektiven Empfindungen mehr hervorruft. Es kommt darauf an,die Sache und die Person so zu scheiden, dafs die Erfordernisse derersteren, welche Stelle im gesellschaftlichen Produktions- oder Zirkulations-prozesse sie auch der letzteren anweisen, die Individualität, die Freiheit,das innerste Lebensgefühl derselben ganz unberührt lassen. Eine Seitedieser Verfassung ist innerhalb eines Standes schon verwirklicht — imOffizierstand. Die blinde Subordination unter den Vorgesetzten wirdhier nicht als Entwürdigung empfunden, weil sie nichts als das technischunumgängliche Erfordernis für die militärischen Zwecke ist, denen auchjeder Vorgesetzte selbst in nicht weniger strenger, aber auch nichtweniger objektiver Weise unterworfen ist. Die persönliche Ehre undWürde steht ganz jenseits dieser Über- und Unterordnung, diese haftetsozusagen nur der Uniform an und ist nur eine Bedingung der Sache,von der kein Reflex auf die Person fällt. In anderer Wendung trittdiese Differenzierungserscheinung bei rein geistigen Beschäftigungen auf.Zu allen Zeiten hat es Persönlichkeiten gegeben, die sich bei völligerUntergeordnetheit und Abhängigkeit der äufseren Lebensstellung absolutegeistige Freiheit und individuelle Produktivität gewahrt haben, insbesondereallerdings in Zeiten, wo sehr festgewordene soziale Ordnungen durcheinströmende Bildungsinteressen gekreuzt werden und jene bestehenbleiben, während diese ganz neue innere Rangierungen und Kategorienschaffen — wie etwa in der Epoche des Humanismus und in der letztenZeit des ancien regime. Es liefse sich nun denken, dafs, was in diesenFällen ganz einseitig ausgebildet ist, zur sozialen Organisationsform über-haupt würde. Über- und Unterordnung in allen möglichen Gestalten istjetzt die technische Bedingung für die Gesellschaft, ihre Zwecke zu er-reichen; allein sie wirft einen Reflex auch auf die innerliche Bedeutungdes Menschen, auf die Freiheit seiner Ausbildung, auf sein rein mensch-liches Verhältnis zu anderen Individuen. Indem diese Verquickung gelöst,alles Oben- und Untenstehen, alles Befehlen und Gehorchen eine blofsäufserliche Verfassungstechnik würde, welche auf die individuelle Stellungund Entwicklung in allem übrigen weder Licht noch Schatten werfen
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