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sondern eine »Rente«, welche dazu bestimmt sei, ihm die Mittel zu seinem,dem Amte entsprechenden standesgemälsen Unterhalt zu geben. Hierwird die Entlohnung also prinzipiell gerade auf das personale Elementunter Ausschlufs einer genauen objektiven Äquivalenz gerichtet. Freilichsind diese Gehälter immer auf längere Perioden hinaus festgelegt, undbei dem Schwanken des Geldwertes in diesen wird gerade durch dieStabilität des Einkommens die Stabilität der Lebenshaltung verhindert,während die Bezahlung der Einzelleistung viel leichter den Veränderungendes Geldwertes folgt. Allein das entkräftet meine Deutung dieses Ver-hältnisses so wenig, dafs es vielmehr die Unabhängigkeit des persönlichenElementes von dem ökonomischen, auf die es ankommt, erst recht hervor-hebt. Dafs die Honorierung hier nur ganz im allgemeinen erfolgtund sich nicht den einzelnen Wechselfällen der ökonomischen Entwick-lung anschmiegt, bedeutet ja gerade die Absonderung der Persönlichkeitals eines Ganzen von der Einzelheit ökonomisch bewertbarer Leistungen;und der stabile Gehalt verhält sich zu der wechselnden Höhe seinerEinzelverwertungen, wie die ganze Persönlichkeit zu der unvermeidlichwechselnden Qualität ihrer einzelnen Leistungen. — Die äufserste, wenn-gleich nicht immer als solche erkennbare Stufe dieser Phänomenenreiheliegt in der Honorierung jener idealen Funktionen, deren Inkommensura-bilität mit irgendwelchen Geldsummen jede »angemessene« Bezahlungillusorisch macht. Die Bedeutung der Bezahlung kann hier nur sein,dafs man das Entsprechende beiträgt, um dem Leistenden die angemesseneLebenshaltung zu ermöglichen, nicht aber, dafs sie und die Leistung sichsachlich entsprächen. Deshalb wird dem Portraitmaler das Honorargleichmäfsig bezahlt, ob das Bild ganz gelungen ist oder nicht, demKonzertgeber das Eintrittsgeld, auch wenn er nachher schlecht spielt,dem Arzt seine Taxe, ob der Patient geheilt wird oder stirbt — währendauf niedrigeren Gebieten das Ob und Wieviel der Zahlung viel direkterund genauer von dem Ausfall der Leistung abhängt. Wie sehr dersachliche Zusammenhang zwischen der Leistung und dem Äquivalenthier durchbrochen ist, lehrt auf den ersten Blick das Mifsverhältnis ihrerQuantitäten. Wer für ein Gemälde, Theater, Belehrung noch einmal soviel Geld aufwendet, als für andere, und in beiden Fällen angemessengezahlt zu haben glaubt, kann doch nicht sagen: dieses Bild ist genaunoch einmal so schön wie das andere, diese Belehrung genau doppelt sotief und wahr wie die andere. Und selbst, wenn man die Bezahlungjenseits der objektiven Schätzung und auf die verschiedenen Quantendes subjektiven Genusses stellen wollte, würde man, auf je höhere Ge-biete man kommt, um so weniger die genauen Verhältnisse zwischen