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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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jenen behaupten wollen, auf die die Geldäquivalente logische Anweisunggeben. Schliefslich tritt die völlige Beziehungslosigkeit des Entlohnungs-quantums zu der Leistung etwa am schärfsten hervor, wenn man fürdas Spiel eines Musikvirtuosen, das uns zu den höchsten Stufen der inuns entwickelbaren Empfindungen gehoben hat, ein paar Mark bezahlt.Einen Sinn erhält ein derartiges Äquivalent nur von dem Standpunktaus, dafs es sich überhaupt garnicht mit der einzelnen Leistung demWerte nach decken, sondern nur zu demjenigen Unterhalt des Künstlersbeitragen soll, der ein geeignetes Fundament für seine Leistung bildet.So scheint also gerade bei den höchsten Produktionen die Entwicklungumzubiegen: das Geldäquivalent gilt nicht mehr der einzelnen Leistung,unter Beziehungslosigkeit zu der dahinterstehenden Person, sondern geradedieser Person als ganzer, unter Beziehungslosigkeit zu ihrer einzelnenLeistung.

Sieht man aber näher zu, so strebt diese Erscheinungsreihe dochdemselben Punkte zu, wie jene andere, die ihr Ideal in der reinen Sach-lichkeit der ökonomischen Stellung fand. Beide münden gleichmäfsig aneiner völligen gegenseitigen Verselbständigung der ökonomischen Leistungund der Persönlichkeit. Denn nichts anderes bedeutet es, wenn der Be-amte oder der Künstler nicht für seine einzelne Leistung honoriert wird,sondern wenn es der Sinn seines Honorars ist, ihm eine gewisse persön-liche Lebenshaltung zu ermöglichen. Allerdings ist hier, im Gegensatzzu der früheren Reihe, das Persönliche mit dem Ökonomischen in Ver-bindung gesetzt; aber doch so, dafs innerhalb des Komplexes der Persön-lichkeit selbst die Leistungen, für welche allerdings im letzten Grundedas Äquivalent gegeben wird, sich gerade sehr scharf gegen die Gesamt-persönlichkeit, als die Grundlage jener Leistungen, absetzen. Die Be-freiung der Persönlichkeit, die in ihrer Differenzierung von der objektivenLeistung liegt, wird in gleicher Weise vollzogen: ob nun von der wach-senden Objektivierung der Leistung ausgehend, die schliefslich für sichallein in die ökonomische Zirkulation eintritt und die Persönlichkeit ganzdraufsen läfst oder anhebend von der Honorierung bezw. Unterhaltungder Persönlichkeit als ganzer, aus der dann die einzelne Leistung ohnedirektes und singuläres ökonomisches Äquivalent hervorgeht. In beidenFällen wird die Persönlichkeit von dem Zwange befreit, den ihre unmittel-bare ökonomische Verkettung mit der einzelnen objektiven Leistung ihrauferlegt.

Nun erscheint freilich die zu zweit behandelte Reihe weniger geld-wirtschaftlich bedingt als die erste. Wo die gegenseitige Verselbständi-gung zwischen Person und Leistung von der Betonung der letzterenSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 24