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dafs es wohl jedem einzelnen ganz gleichgültig ist, was die Gesellschaftdenn eigentlich produziert. Die sachliche Zusammenhangslosigkeit desSubjekts mit dem Objekt, an dem es ein blofses Geldinteresse hat,spiegelt sich in seiner personalen Zusammenhangslosigkeit mit denanderen Subjekten, mit denen ihn ein ausschlielsliches Geldinteresse ver-bindet. Hiermit ist nun eine der wirkungsvollsten kulturellen Formungengegeben: die Möglichkeit des Individuums, sich an Assoziationen zu be-teiligen, deren objektiven Zweck es fördern oder geniefsen will, ohnedafs für die Persönlichkeit im übrigen die Verbindung irgend eineBindung mit sich brächte. Das Geld hat es bewirkt, dafs man sich mitAnderen vereinigen kann, ohne etwas von der persönlichen Freiheit undReserve aufgeben zu brauchen. Das ist der fundamentale, unsäglichbedeutungsvolle Unterschied gegen die mittelalterliche Einungsform, diezwischen dem Menschen als Menschen und dem Menschen als Mitgliedeiner Vereinigung nicht unterschied; sie zog das gesamtwirtschaftlichewie das religiöse, das politische wie das familiäre Interesse gleichmäfsigin ihren Kreis. Die dauernde Vereinigung kennt in jenem urwüchsigenStadium noch nicht die Form des blolsen »Beitrages«, am wenigsten dieHerstellung ihrer ganzen Substanz aus solchen und aus »beschränktenHaftungen«. Wie man wohl im grolsen und ganzen und mit den beiso allgemeinen Behauptungen nötigen Reserven sagen kann, dafs dieVerhältnisse der Menschen untereinander früher entschiedenere waren,weniger durch Vermittlungen, Mischungen, Vorbehalte undeutlich ge-wordene, dafs es weniger problematische und »halbe« Verhältnisse gab:so stand die Beziehung des Einzelnen zur Assoziation viel mehr unterdem Zeichen des Ganz oder Garnicht, sie duldete nicht eine Zerlegbarkeit,durch die ein blolses Partikelchen der im übrigen unabhängigen Persön-lichkeit in sie hinein gegeben werden kann und die in der Hingabe undEntnahme von Geld als dem einzigen assoziativen Bande ihre absoluteVollendung findet. Und dies gilt nicht nur für Einzelne, sondern auchfür Kollektivindividuen. Die Geldform des Gemeininteresses gewährtauch Vereinigungen die Möglichkeit zu einer höheren Einheit zusammen-zutreten, ohne dafs die einzelne auf ihre Unabhängigkeit und Sonderartzu verzichten braucht. Nach 1848 bildeten sich in Frankreich Syndikatevon Arbeiter - Assoziationen desselben Gewerkes, derart, dals jede ihrenunteilbaren Fonds an dieses Syndikat ablieferte und so eine unteilbaregemeinsame Kasse zustande kam. Diese sollte namentlich Engros-Einkäufe ermöglichen, Darlehen gewähren usw. Die Syndikate hattenaber durchaus nicht den Zweck, die teilhabenden Assoziationen zu einereinzigen zu vereinigen, sondern jede sollte ihre besondere Organisation