411
während die Stellung der Frauen eine ganz besonders gute ist. Alleines wird hervorgehoben, dafs diese Gaben relativ sehr erheblichewaren. So herabsetzend es wirkt, wenn entweder die Innerlichkeit oderdie Totalität des Menschen gegen Geld eingesetzt wird, so kann doch,wie spätere Beispiele noch stärker beweisen werden, eine ungewöhnlicheHöhe der ins Spiel kommenden Summen eine Art Ausgleichung, ins-besondere in Rücksicht der sozialen Stellung des Betreffenden, schaffen.So hören wir, dafs Eduard II. und III. ihre Freunde als Geiseln für dieRückzahlung ihrer Schulden fortgaben und 1340 sollte sogar der Erz-bischof von Canterbury als Pfand — nicht als Bürge — für die Schuldendes Königs nach Brabant verschickt werden. Die Gröfse der Summen,um die es sich hier handelte, wehrte von vornherein die Deklassierungab, die durch ein derartiges Einsetzen von Personen um Geld auf diese,wenn es sich um Lappalien gehandelt hätte, gefallen wäre.
Der Übergang von dem Prinzip der Kaufehe, das wohl bei derMehrzahl der Völker irgendwann geherrscht hat, zu dem entgegengesetzten:dem Prinzip der Mitgift, ist wahrscheinlich, wie angedeutet, so zustandegekommen, dafs die Gaben des Bräutigams seitens der Eltern an dieBraut weiter gegeben wurden, der man damit eine gewisse ökonomischeSelbständigkeit sichern wollte; die Ausstattung der Frau durch die Elternblieb dann bestehen und entwickelte sich weiter, auch nachdem ihrUrsprung, die vom Manne gezahlte Kauf summe, in Wegfall gekommenwar. Es interessiert hier nicht, diese sehr ungenau bekannte Evolutionzu verfolgen. Aber man kann doch wohl behaupten, dafs die Ver-allgemeinerung der Mitgift mit der steigenden Geldwirtschaft beginnt.Das mag so Zusammenhängen. In den roheren Zuständen, wo derFrauenkauf herrscht, ist die Frau nicht nur ein Arbeitstier — das istsie meistenteils auch noch später — sondern ihre Arbeit ist noch nichtin dem spezifischen Sinne »häuslich«, wie die der Frau in der Geld-wirtschaft , die wesentlich die Konsumtion des männlichen Erwerbesinnerhalb des Hauses zu leiten hat. So weit ist in jenen Epochen dieArbeitsteilung noch nicht vorgeschritten, die Frau beteiligt sich un-mittelbarer an der Produktion und stellt deshalb für ihren Besitzer einenviel greifbareren wirtschaftlichen Wert dar als später. Noch aus ganzspäter Zeit wird dieser Zusammenhang gelegentlich bestärkt: währendMacaule} r in der Verrichtung der hauptsächlichen Feldarbeit in Schottland durch Frauen einen barbarischen Tiefstand des weiblichen Geschlechtserblickte, ist gerade von einem genauen Kenner betont worden, dafs diesihnen einen gewissen Grad von Unabhängigkeit und Ansehen bei denMännern gebe. Dazu kommt, dafs in primitiven Verhältnissen die