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1330 die Zumutung ausdrücklich ablehnt, über andere Leute als diePeers zu Gericht zu sitzen, — so dafs also sogar ein M a c h t Verhältniszu Personen aufserhalb des eigenen Ranges als Degradation erscheint!Je mehr nun das Geld die Interessen beherrscht und von sich ausMenschen und Dinge in Bewegung setzt, je mehr die letzteren umseinetwillen hergestellt und nur nach ihm geschätzt werden, desto wenigerkann der so beschriebene Wert der Vornehmheit seine Verwirklichungan Menschen und Dingen finden. Mannigfache geschichtliche Er-scheinungen legen diese negative Verbindung nahe. Die alten Aristo-kratien Ägyptens und Indiens perhorreszierten den Seeverkehr und hieltenihn mit der Reinheit der Kasten für unverträglich. Das Meer ist eineVermittlung wie das Geld, es ist das ins Geographische gewandte Tausch-mittel, gleichsam in sich völlig farblos und deshalb wie das Geld demIneinanderübergehen des Verschiedenartigsten dienstbar. Seeverkehr undGeldverkehr stehen in enger historischer Verbindung, die Reserve undscharf geformte Abgeschlossenheit der Aristokratie mufs von beidenher ein Abschleifen und Nivellieren fürchten. Deshalb war auch demvenetianischen Adel zur guten Zeit der Aristokratie aller eigene Handeluntersagt, und erst 1784 wurden die Adligen durch ein Gesetz ermächtigt,unter eigenem Namen Handel zu treiben. Vorher konnten sie diesnur als stille Teilnehmer an den Geschäften der cittadini, also nur wieaus der Ferne und unter einer Maske. In Theben gab es einmal einGesetz, dafs nur wer zehn Jahre lang allem Marktverkehr ferngebliebenwar, zu Ämtern wählbar sein sollte; Augustus untersagte den Senatoren,sich an Zollpachtungen zu beteiligen und Rhederei zu treiben. Wenn Rankedas 14. und 15. deutsche Jahrhundert als die plebejischen unserer Ge-schichte bezeichnet, so bezieht sich das auf die damals aufkommendengeldwirtschaftlichen Zustände, deren Träger die der bisherigen Aristokratieantagonistischen Städte waren. Schon zu Beginn der Neuzeit empfandman in England, dafs die Reichtumsunterschiede, die in der Stadt galten,durchaus keine so entschieden abgeschlossene Aristokratie schaffenkonnten, wie die auf dem Lande geltenden Standesgrenzen. Der ärmsteLehrling konnte die höchste Zukunft erhoffen, wo diese nur im Geld-besitz lag, während eine völlig unbiegsame Linie die Landaristokratievon dem yeoman schied. Die unendliche quantitative Abstufbarkeit desGeldbesitzes läfst die Stufen ineinander übergehen und verwischt dieFormbestimmtheit der vornehmen Klassen, die ohne Festigkeit derGrenzen nicht bestehen kann.
Dem Vornehmheitsideal ist wie dem ästhetischen, von dem ich diesschon früher hervor hob, die Gleichgültigkeit gegen das Wieviel eigen.