Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
434
Einzelbild herunterladen
 

434

Zu diesem Resultat führt auch die weitere Tatsache, dafs selbst fürgleichmäfsig hochstehende Persönlichkeiten das Niveau ihrer Gemeinsam-keit nicht so hoch liegen wird, wie das jedes Einzelnen für sich. Denngerade die höchsten Ausbildungen, die jedem eigen sein mögen, pflegennach ganz verschiedenen Seiten differenziert zu sein, und sie begegnensich nur auf jenem tieferen generellen Niveau, über das hinweg dieindividuellen und gleich bedeutsamen Potenzen oft bis zur Unmöglichkeitjeder Verständigung überhaupt auseinanderführen. Was den Menschengemeinsam ist nach der biologischen Seite hin: die ältesten und des-halb sichersten Vererbungen ist im allgemeinen das gröbere, un-differenzierte, ungeistigere Element ihres Wesens.

Dieses typische Verhältnis, durch das die Lebensinhalte ihre Ge-meinsamkeit, ihre Dienste zur Verständigung und Einheitlichkeit, mitihrer relativen Niedrigkeit bezahlen müssen; durch das der Einzelne,auf dies Gemeinsame sich reduzierend, auf seine individuelle Werthöheverzichten mufs, sei es, weil der andere tiefer steht als er, sei es, weildieser, obgleich ebenso hoch entwickelt, seine Höhe nach einer anderenRichtung hin hat, dieses Verhältnis zeigt seine Form an Dingennicht weniger als an Personen. Nur dafs, was in diesem Fall einProzefs an Wirklichkeiten ist, in jenem nicht eigentlich an den Dingenselbst, sondern an den Wertvorstellungen von ihnen vorgeht. Die Tat-sache, dafs der feinste und aparteste Gegenstand ebenso für Geld zuhaben ist, wie der banalste und roheste, stiftet eine Beziehung zwischenihnen, die ihrem qualitativen Inhalt fern liegt und die gelegentlich demersteren eine Trivialisierung und eine Abflachung der spezifischenSchätzung eintragen kann, während der zweite überhaupt nichts zu ver-lieren hat, aber auch nichts gewinnen kann. Dafs der eine viel und derandere wenig Geld kostet, kann dies nicht immer ausgleichen, nament-lich nicht bei generellen, über die Einzelvergleichung sich erhebendenWertungen, und ebensowenig gelingt dies dem nicht abzuleugnendenpsychologischen Vorkommnis, dafs gerade an der Gemeinsamkeit desGeldnenners die individuellen Differenzen der Objekte sich um so schärferabheben. Die herabstimmende Wirkung des Geldäquivalents tritt un-zweideutig hervor, sobald man mit einem schönen und eigenartigen, aberkäuflichen Objekt ein an sich ungefähr gleich bedeutsames vergleicht,das aber für Geld nicht zu haben ist; dieses hat von vornherein fürunser Gefühl eine Reserve, ein Auf-sich-ruhen, ein Recht, nur an demsachlichen Ideal seiner selbst gemessen zu werden, kurz: eine Vor-nehmheit, die dem anderen versagt bleibt. Der Zug in seinem Bilde,