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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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zeugen und deshalb nur diese, als Trägerin jener aufgenommenen Werte,selbst ein Wert sein könne. Die Nahrungsmittel können schon deshalbnicht die zulängliche Ursache des vom Menschen verwirklichten Wertessein, weil dieser letztere den in den ersteren investierten übersteigt, da esandernfalls nie zu einer Wertvermehrung kommen könnte. Die Scheidungzwischen Arbeitskraft und Arbeit ist nur für die Zwecke des Sozialismuswichtig, weil sie die Theorie anschaulich macht, dafs der Arbeiter nureinen Teil der Werte erhält, die er erzeugt. Seine Arbeit produziertmehr Werte, als in seiner Arbeitskraft, in Form der Unterhaltsmittel,investiert sind; indem der Unternehmer die ganze Arbeitskraft um denWert der letzteren kauft, profitiert er das ganze Mehr, um welches dieschliefslichen Arbeitsprodukte diesen Wert überragen. Aber selbst vondiesem Standpunkt aus scheint mir, man könnte, statt der Arbeitskraftdie Arbeit als Wert bezeichnend, innerhalb der letzteren die Quantengegeneinander abgrenzen, deren Werte einerseits als Lohn zum Arbeiterzurückkehren, andrerseits den Gewinn des Unternehmers ausmachen.Ich gehe hierauf also nicht weiter ein, sondern untersuche im folgendennur die nähere Bestimmung, unter welcher uns die Arbeitstheorie desWertes so häufig entgegentritt: sie sucht einen Arbeitsbegriff, der fürMuskelarbeit und geistige Arbeit gleichmäfsig gilt, und mündet dabeitatsächlich auf der Muskelarbeit, als dem primären Werte oder Wert-produzenten, der als Mafs jeglicher Arbeit überhaupt zu gelten habe.Es wäre irrig, hierin nur proletarischen Trotz und prinzipielle Ent-würdigung geistiger Leistungen zu sehen. Vielmehr wirken dazu tiefereund verwickeltere Ursachen.

Von dem Anteil des Geistes an der Arbeit ist zunächst behauptetworden, dafs er kein »Aufwand« sei, er fordere keinen Ersatz wegenAbnutzung und erhöhe deshalb die Kosten des Produktes nicht; so dafsals Begründerin des Tauschwertes nur die Muskelarbeit übrig bleibe.Wenn man dem gegenüber hervorgehoben hat, dafs auch die geistigeKraft erschöpfbar sei und ganz ebenso wie die körperliche durch Er-nährung erhalten und ersetzt werden müfste, so ist dabei das Momentvon Wahrheit übersehen, das jener Theorie, wenn auch nur als instink-tives Gefühl, zum Grunde liegen mag. Der Anteil des Geistes an einemArbeitsprodukt bedeutet nämlich zwei scharf zu unterscheidende Seitendesselben. Wenn ein Tischler einen Stuhl nach einem längst bekanntenModell herstellt, so geht das freilich nicht ohne einen Aufwand psychischerTätigkeit ab, die Hand mufs vom Bewufstsein geleitet werden. Alleindies ist keineswegs die ganze in dem Stuhl investierte Geistigkeit. Erwäre auch nicht herstellbar ohne die geistige Tätigkeit desjenigen, der,