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vielleicht vor Generationen, das Modell dazu ersonnen hat; auch diehiermit verbrauchte psychische Kraft bildet eine praktische Bedingungdieses Stuhles. Nun aber besteht der Inhalt dieses zweiten geistigenProzesses in einer Form weiter, in der er keinen psychischen Kraft-aufwand mehr involviert: als Tradition, objektiv gewordener Gedanke,den jeder aufnehmen und nachdenken kann. In dieser Form wirkt erim Produktionsprozefs des jetzigen Tischlers, bildet den Inhalt deraktuellen geistigen Funktion, die freilich von dessen subjektiver Kraftgetragen und vollzogen werden mufs, und geht vermöge dieser letzterenin das Produkt, als dessen Form, ein. Die zweierlei psychischen Be-tätigungen, von denen ich erst sprach, sind ganz sicher der Abnutzungund der Notwendigkeit eines physiologischen Ersatzes unterworfen: sowohldie des Tischlers wie die des Erfinders des Stuhles. Aber das drittegeistige Moment, das offenbar für das jetzige Zustandekommen desStuhles entscheidend wichtig ist, ist allerdings dem Verbrauchtwerdenenthoben, und nach der Idee dieses Stuhles mögen tausende vonExemplaren gearbeitet werden, sie selbst leidet dadurch keine Abnutzung,fordert keine Restaurierung und vermehrt also allerdings, obgleich sieden formgebenden, sachlich-geistigen Gehalt jedes einzelnen Stuhles dieserArt bildet, die Kosten desselben nicht. Unterscheidet man also mit dererforderlichen Schärfe zwischen dem objektiv-geistigen Inhalt in einemProdukt und der subjektiven geistigen Funktion, die nach der Normjenes Inhaltes das Produkt herstellt, so sieht man das relative Rechtjener Behauptung, dafs der Geist nichts koste; freilich auch ihr relativesUnrecht, weil diese unentgeltliche und unvernutzbare Idee des Dingessich nicht von selbst in Produkten verwirklicht, sondern nur vermittelseines Intellekts, dessen jetziges, jener Idee gemäfses Funktionieren orga-nische Kraft fordert und zu dem Kostenwert des Produktes aus denselbenGründen beiträgt, wie die Muskelleistung es tut — wenngleich der durcheinen so präformierten Inhalt gelenkte psychische Aufwand natürlich einviel geringerer ist, als wenn er zugleich den Inhalt originell aufzubringenhat. Die Differenz zwischen beiden ist die Gratis-Leistung des Geistes.Und dieses ideell-inhaltliche Moment ist es, das den geistigen Besitznach zwei Seiten hin so völlig von dem ökonomischen unterscheidet: erkann einem einerseits viel gründlicher, andrerseits viel weniger genommenwerden, als dieser. Der einmal ausgesprochene Gedanke ist durch keineMacht der Welt wieder einzufangen, sein Inhalt ist unwiderruflich öffent-liches Eigentum aller, die die psychische Kraft, ihn nachzudenken, auf-wenden. Deshalb aber kann er einem auch, wenn dies einmal geschehenist, durch keine Macht der Welt wieder geraubt werden, der einmal