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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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gedachte Gedanke bleibt, als immer wieder reproduzierbarer Inhalt, derPersönlichkeit so unentreifsbar verbunden, wie es im Ökonomischen gar-keine Analogie findet. Indem sich der geistige Prozeis aus seinemInhalt, der diese über-ökonomische Bedeutung hat, und dem psycho-logischen Prozefs als solchem zusammensetzt, handelt es sich hier er-sichtlich nur um den letzteren, um die Frage, welche Rolle der seelischeKraftverbrauch in der Wertbildung noch neben der Muskelarbeit spiele.

Dafs die Bedeutung der geistigen Arbeit auf die der physischenreduziert werde, ist schliefslich nur eine Seite der ganz allgemeinen Ten-denz, eine Einheit des Arbeitsbegriffes herzustellen. Das Gemeinsamealler mannigfaltigen Arten der Arbeit einer viel weiteren und ab-gestufteren Mannigfaltigkeit, als der blofse Gegensatz zwischen physischerund psychischer Arbeit zeigt gilt es aufzufinden. Damit wäre theo-retisch wie praktisch aufserordentlich viel gewonnen, soviel wie ent-sprechend mit der Tatsache des Geldes; man hätte nun die generelle,qualitative Einheit, auf Grund deren alle Wertverhältnisse zwischen denErgebnissen menschlicher Tätigkeit rein quantitativ, durch ein blofsesMehr oder Weniger, auszudrücken wären. Auf allen Gebieten hat diesden wesentlichen Fortschritt der Erkenntnis bedeutet: dafs die qualitativeAbwägung der Objekte gegeneinander, die immer eine relativ unsichereund unexakte bleibt, in die allein unzweideutige quantitative übergeführtwird, indem eine durchgängige innere Einheit an ihnen festgestellt w r irdund diese nun, als überall dieselbe und selbstverständliche, in der Be-rechnung der relativen Bedeutungen der Einzelheiten keine Berücksich-tigung mehr verlangt. Auf sozialistischer Seite ist dies offenbar eineblofse Fortsetzung und Konsequenz der Bestrebung, alle Werte überhauptauf ökonomische, als ihren Ausgangspunkt und ihre Substanz zurück-zuführen. Und auf dieser Bestrebung mufste sie unvermeidlich münden,wenn sie ihre Nivellierungstendenz zu Ende dachte. Denn auf dem Ge-biete des Ökonomischen kann man allenfalls eine Gleichheit der Indivi-duen als möglich denken; auf allen anderen: intellektuellen, gefühls-mäfsigen, charakterologischen, ästhetischen, ethischen usw. würde dasNivellement, selbst nur das der »Arbeitsmittel «, von vornherein aus-sichtslos sein. Will man es dennoch unternehmen, so bleibt nichts übrig,als diese Interessen und Qualitäten irgendwie auf jene, die allein eineannähernde Gleichmäfsigkeit der Verteilung gestatten, zu reduzieren. Ichweifs wohl, dafs der heutige wissenschaftliche Sozialismus die mechanisch-kommunistische Gleichmacherei von sich weist und nur eine Gleichheitder Arbeitsbedingungen hersteilen will, von der aus die Verschiedenheitder Begabung, Kraft und Bemühung auch zu einer Verschiedenheit der