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Stellung und des Genusses führen soll. Allein dem heutigen Zustandgegenüber, in dem Erbrecht, Klassenunterschiede, Akkumulation desKapitals und alle möglichen Chancen der Konjunktur weit gröfsere alsden individuellen Betätigungsunterschieden entsprechende Abstände er-zeugen — würde jenes nicht nur tatsächlich eine wesentliche Ausgleichungin jeder Hinsicht bedeuten, sondern die Ausgleichung auch der Besitz -und Genufsmomente scheint mir auch heute noch für die Massen daseigentlich wirksame Agitationsmittel zu sein. Wenn der historischeMaterialismus zum wissenschaftlichen Beweisgrund der sozialistischen Lehre gemacht worden ist, so geht hier, wie so oft, der systematischeAufbau den umgekehrten Weg wie der schöpferische Gedankengang, undman hat nicht aus dem unabhängig festgestellten historischen Materialis-mus die sozialistische Theorie logisch gefolgert, sondern die praktischfeststehende sozialistisch - kommunistische Tendenz hat sich erst nach-träglich den für sie allein möglichen Unterbau geschaffen, die ökonomi-schen Interessen als den Quellpunkt und Generalnenner aller anderen zudeklarieren. Ist dies aber einmal geschehen, so muls sich die gleicheTendenz in das Gebiet des Ökonomischen selbst fortsetzen und dieMannigfaltigkeit seiner Inhalte auf eine Einheit bringen, die über allesindividuelle Leisten die Möglichkeit einer Gleichheit und äufserlich nach-weisbaren Gerechtigkeit stellt.
Denn die Behauptung, der Wert aller wertvollen Objekte bestehe inder Arbeit, die sie gekostet haben, genügt für diesen Zweck noch nicht.Damit könnte sich nämlich noch immer die qualitative Verschiedenheitder Arbeit vereinigen, derart, dafs ein geringeres Quantum höhererArbeit einen gleichen oder höheren Wert bildete, wie ein erhebliches-von niederer Arbeit. Hierdurch aber wäre eine ganz andere als die be-absichtigte Wertskala eingeführt. Die entscheidenden Eigenschaften derFeinheit, Geistigkeit, Schwierigkeit würden zwar auch dann immer nochmit und an der Arbeit produziert, realisierten sich nur als Attribute ihrer;allein das Wertmoment ruhte nun doch nicht mehr auf der Arbeitals Arbeit, sondern auf der nach einem ganz selbständigen Prinzip auf-gebauten Ordnung der Qualitäten, für die die Arbeit als solche, die dasAllgemeine aller Arbeitsqualitäten ist, nur der für sich noch irrelevanteTräger wäre. Damit wäre die Arbeitstheorie in dasselbe Dilemma ge-bracht, dem die moralphilosophische Lehre unterlegen ist, dafs die Pro-duktion von Glücksgefühlen der absolute ethische Wert sei. Ist nämlichdie Handlung wirklich in dem Malse sittlich, in dem sie Glück zur Folgehat, so bedeutet es eine Durchbrechung des Prinzips und die Einführungneuer definitiver Wertmomente, wenn das reinere, geistigere, vornehmere