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Wertgröfse der Leistungen, statt durch das Quantum der erforderlichenArbeit, in der gleichen Tendenz durch die zu ihrer Herstellung »gesell-schaftlich notwendige Arbeitszeit« ausgedrückt hat, so entzieht sichauch dies nicht der gleichen Deutung: der höhere Wert der durch be-sondere Begabung getragenen Leistungen bedeutete dann, dafs die Ge-sellschaft immer eine gewisse längere Zeit hindurch leben und wirkenmufs, ehe sie wieder ein Genie hervorbringt; sie braucht den längerenZeitraum, der den Wert der Leistung bedingt, in diesem Falle nicht zuderen unmittelbarer Produktion, sondern zur Produktion der — eben nurin relativ längeren Zwischenräumen auftretenden — Produzenten solcherLeistungen.
Die gleiche Reduktion kann auch in objektiver Wendung erfolgen.Die Höherwertung des Arbeitsergebnisses bei gleicher subjektiver An-strengung findet nicht nur als Erfolg eines persönlichen Talentes statt;sondern es gibt bestimmte Kategorien von Arbeiten, die von vornhereineinen höheren Wert als andere repräsentieren, so dafs die einzelneLeistung innerhalb jener weder gröfsere Mühe noch gröfsere Begabungals die innerhalb anderer zu enthalten braucht, um dennoch einen höherenRang einzunehmen. Wir wissen sehr wohl, dafs unzählige Arbeiten inden »höheren Berufen« an das Subjekt keinerlei höhere Ansprüchestellen, als solche in den »niederen«; dafs die Arbeiter in Bergwerkenund Fabriken oft eine Umsicht, Entsagungsfähigkeit, Todesverachtungbesitzen müssen, die den subjektiven Wert ihrer Leistung weit über denvieler Beamten- oder Gelehrtenberufe erhebt; dafs die Leistung einesAkrobaten oder Jongleurs genau dieselbe Geduld, Geschicklichkeit undBegabung fordert, wie die manches Klaviervirtuosen, der seine manuelleFertigkeit durch keinen Beisatz seelischer Vertiefung adelt. Und dochpflegt nicht nur die eine Kategorie von Arbeiten der anderen gegenübertatsächlich viel höher entlohnt zu werden, sondern auch ein sozial vor-urteilsloses Schätzungsgefühl w r ird in vielen Fällen denselben Weg gehen.Bei vollem Bewufstsein der gleichen oder höheren subjektiven Arbeit,die das eine Produkt erfordert, wird man dem anderen dennoch einenhöheren Rang und Wert zusprechen, so dafs es hier wenigstens scheint,als ob andere Momente als die des Arbeitsmafses seine Schätzung be-stimmten. Doch ist dieser Schein nicht unüberwindlich. Man kannnämlich die Arbeitsleistungen höherer Kulturen in eine Stufenreihe vondem Gesichtspunkt aus einstellen, welches Quantum Arbeit bereits inden objektiven, technischen Vorbedingungen aufgehäuft ist, auf Grundderen die einzelne Arbeit überhaupt möglich ist. Damit es überhaupthöhere Stellungen in einer Beamtenhierarchie gebe, mufs erstens eine