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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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unübersehbare Arbeit in der Verwaltung und der allgemeinen Kulturbereits geleistet sein, deren Geist und Ergebnis sich zu der Möglichkeitund Notwendigkeit solcher Stellungen verdichtet; und zweitens setzt jedeeinzelne Tätigkeit höherer Funktionäre die Vorarbeit vieler subalternervoraus, die sich in ihr konzentrieren; so dals die Qualität solcher Arbeitwirklich nur durch ein sehr hohes Quantum schon vollbrachter und insie eingehender Arbeit zustande kommt. Ja, gegenüber der »un-qualifizierten« beruht alle qualifizierte Arbeit als solche keineswegs nurauf der höheren Ausbildung des Arbeiters, sondern ebenso auch auf derhöheren und komplizierteren Struktur der objektiven Arbeits-bedingungen, des Materials und der historisch-technischen Organisation.Damit auch der mittelmäfsigste Klavierspieler möglich sei, bedarf eseiner so alten und breiten Tradition, eines so unübersehbaren über-individuellen Bestandes technischer und artistischer Arbeitsprodukte, dafsallerdings diese in ihr gesammelten Schätze seine Arbeit weit über dievielleicht subjektiv viel erheblichere des Seiltänzers oder Taschenspielerserheben. Und so im allgemeinen: was wir als die höheren Leistungenschätzen, nur nach der Kategorie des Berufes und ohne dafs personaleMomente ihre Höhe bewirkten, das sind diejenigen, die in dem Aufbauder Kultur die relativ abschliefsenden, am meisten von langer Handvorbereiteten sind, die ein Maximum von Arbeit Vor- und Mitlebenderals ihre technische Bedingung in sich aufnehmen so ungerecht esauch sei, aus diesem, durch ganz überpersönliche Ursachen entstandenenWert der objektiven Arbeitsleistung eine besonders hohe Entlohnung oderSchätzung für den zufälligen Träger derselben herzuleiten. Auch wirddieser Mafsstab selbstverständlich nicht genau innegehalten. Wertungenvon Leistungen und Produkten, die durch ihn begründet sind, werdenauf andere, dieses Rechtsgrundes entbehrende, übertragen: sei es wegenäufserlich-formeller Ähnlichkeit, sei es wegen historischer Verknüpfungmit jenen, sei es, weil die Inhaber der betreffenden Berufe eine ausanderer Quelle fliefsende, soziale Macht zur Steigerung ihrer Schätzungbenutzen. Ohne solche, aus der Komplikation des historischen Lebensfolgende Zufälligkeiten abzurechnen, läfst sich aber überhaupt keineinziger prinzipieller Zusammenhang in sozialen Dingen behaupten. Imgrofsen und ganzen kann, wie mir scheint, die Deutung aufrechterhaltenwerden: dafs die verschiedene Wertung der Leistungsqualitäten, beiGleichheit der subjektiven Arbeitsmühe, dennoch der Verschiedenheitder Arbeitsquanten entspricht, die in vermittelter Form in den be-treffenden Leistungen enthalten sind. So erst wäre der Gewinn für dieSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 30