486
objektiven Sphäre vor sich gehen, in der die Persönlichkeit nicht sowohlals Charakter, sondern als Träger einer bestimmten sachlichen Wirt-schaftspotenz wichtig ist und wo der todfeindliche Konkurrent von heuteder Kartellgenosse von morgen ist; sondern vor allem: die Be-
stimmungen, die ein Gebiet innerhalb seiner erzeugt, können durchausdenen heterogen sein, die es aufserhalb seiner gelegenen, aber von ihmbeeinflufsten, mitteilt. So kann eine Religion innerhalb ihrer Anhängerund ihrer Lehre die Friedfertigkeit selbst und doch sowohl den Ketzernwie den ihr benachbarten Lebensmächten gegenüber äufserst streitbarund grausam sein; so kann ein Mensch in Anderen Gefühle und Ge-danken hervorrufen, die seinen eigenen Lebensinhalten völlig heterogensind, so dafs er gibt, was er selbst nicht hat; so mag eine Kunst-richtung ihrer eigenen Überzeugung und artistischen Idee nach völlignaturalistisch sein, in dem Verhältnis der Unmittelbarkeit und blofsenReproduktion zur Natur stehend, während die Tatsache, dafs es über-haupt eine so treue Hingabe an die Erscheinung des Wirklichen undeine künstlerische Bemühung um ihre Abspiegelung gibt, im Systemdes Lebens ein absolut ideales Moment ist und sich, im Vergleich zudessen anderen Bestandteilen, weit über alle naturalistische Wirklichkeithinaushebt. So wenig die Schärfe theoretisch-logischer Kontroversenhindert, dafs die Intellektualität doch ein Prinzip der Versöhnlichkeitist — denn sobald der Streit aus dem Gegensatz der Gefühle oder derWollungen oder der unbeweisbaren, nur gefühlsmäfsig anerkennbarenAxiome in die theoretische Diskussion übergegangen ist, mufs erprinzipiell beigelegt werden können —, so wenig hindern die Interessen-kämpfe in der Geldwirtschaft, dafs diese doch ein Prinzip der Indifferenzist, die Gegnerschaften aus dem eigentlich Persönlichen heraushebt undihnen einen Boden bietet, auf dem schliefslich immer eine Verständigungmöglich ist. Gewifs hat die rein verstandesmäfsige Behandlung derMenschen und Dinge etwas Grausames; aber sie hat dies nicht alspositiven Impuls, sondern als einfache Unberührtheit ihrer blofs logischenKonsequenz durch Rücksichten, Gutmütigkeit, Zartheiten; weshalb dennauch entsprechend der rein geldmäfsig interessierte Mensch es gar nichtzu begreifen pflegt, wenn man ihm Grausamkeit und Brutalität vorwirft,da er sich einer blofsen Folgerichtigkeit und reinen Sachlichkeit seinesVerfahrens, ohne irgend einen bösen Willen, bewufst ist. Bei alledemist festzuhalten, dafs es sich nur um das Geld als Form der Wirt-schaftsbewegungen handelt, denen darum doch aus anderweitigen, inhalt-lichen Motiven noch ganz davon abweichende Züge kommen können.Man kann dieses Jenseits der Charakterbestimmtheiten, in das das Leben,