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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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d a I s es das geworden war, das ruhte dennoch auf letzten Entscheidungendes Gefühles, auf einer Unermefslichkeit des Leidens, die zu einemmetaphysisch-religiösen Fühlen seiner kosmischen Notwendigkeit aus-wuchs, weil der Einzelne mit ihm weder innerhalb der Gefühlsprovinzselbst, noch durch die Ableitungen einer energischen Lebenspraxis fertigwerden konnte.

Eben diese Objektivität der Lebensverfassung geht auch von derenBeziehung zum Gelde aus. Ich habe in früherem Zusammenhang daraufhingewiesen, eine wie grofse Erhebung über die ursprüngliche un-differenzierte Subjektivität des Menschen schon der Handel darstellt.Noch heute gibt es Völker in Afrika und Mikronesien , die keinen anderenBesitzwechsel als in der Form des Raubes und des Geschenkes kennen.Wie aber dem höheren Menschen neben und über den subjektivistischenAntrieben von Egoismus und Altruismus in deren Alternative die Ethikleider noch die menschlichen Motivierungen einzusperren pflegt ob-jektive Interessen erwachsen, ein Hingegebensein oder Verpflichtetsein,das garnicht mit Verhältnissen von Subjekten, sondern mit 'sachlichenAngemessenheiten und Idealen zu tun hat: so entwickelt sich, jenseitsder egoistischen Impulsivität des Raubes und der nicht geringerenaltruistischen des Geschenkes, der Besitzwechsel nach der Norm objek-tiver Richtigkeit und Gerechtigkeit, der Tausch. Das Geld aber stelltdas Moment der Objektivität der Tauschhandlungen gleichsam in reinerAbgelöstheit und selbständiger Verkörperung dar, da es von allen ein-seitigen Qualifikationen der tauschbaren Einzeldinge frei ist und deshalbvon sich aus zu keiner wirtschaftlichen Subjektivität ein entschiedeneresVerhältnis hat als zu einer anderen gerade wie das theoretischeGesetz die für sich seiende Objektivität des Naturgeschehens darstellt,der gegenüber jeder einzelne, von jenem bestimmte Fall als zufälligdas Seitenstück zu dem Subjektiven im Menschlichen erscheint. Dafsdennoch die verschiedenen Persönlichkeiten gerade zum Gelde die ver-schiedensten inneren Beziehungen haben, beweist gerade seine Jenseitig-keit von jeder subjektiven Einzelheit; es teilt diese mit den anderengrofsen historischen Potenzen, die weiten Seen gleichen, aus denen manvon jeder Seite her und alles das schöpfen kann, was das mitgebrachteGefäfs nach Form und Umfang gestattet. Die Objektivität des gegen-seitigen Verhaltens der Menschen die freilich nur eine Formungeines ursprünglich von subjektiven Energien gelieferten Materiales ist,aber eine von schliefslich selbständigem Bestände und Normgebunggewinnt an den rein geldwirtschaftlichen Interessen ihre restloseste Aus-prägung. Was gegen Geld fortgegeben w T ird, gelangt an denjenigen,