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der das meiste dafür gibt, gleichgültig, was und wer er sonst sei; woandere Äquivalente ins Spiel kommen, wo man um Ehre, um Dienst-leistung, um Dankbarkeit sich eines Besitzes entäufsert, sieht man sichdie Beschaffenheit der Person an, der man gibt. Und umgekehrt, woich selbst um Geld kaufe, ist es mir gleichgültig, von wem ich daskaufe, was mir erwünscht und den Preis wert ist; wo man aber umden Preis der Dienstleistung, der persönlichen Verpflichtung in inner-licher und äufserlicher Beziehung erwirbt, da prüft man genau, mit wemman zu tun hat, weil wir nichts anderes von uns als gerade nur Geldjedem Beliebigen geben mögen. Die Bemerkung auf den Kassenscheinen,dafs der Wert derselben dem Einlieferer »ohne Legitimationsprüfung«ausgezahlt wird, ist bezeichnend für die absolute Objektivität, mit derin Geldsachen verfahren wird. Auf ihrem Gebiete findet sich selbst beieinem sehr viel leidenschaftlicheren Volke als den Indern doch einGegenstück zu jener Exemtion des Ackerbauers von den kriegerischenBewegungen: bei einigen Indianern darf der Händler unbehelligt durchStämme ziehen und Handel treiben, die mit dem seinigen auf demKriegsfufs stehen! Das Geld stellt Handlungen und Verhältnisse desMenschen so aufserhalb des Menschen als Subjektes, wie das Seelen-leben, soweit es rein intellektuell ist, aus der persönlichen Subjektivitätin die Sphäre der Sachlichkeit, die es nun abspiegelt, eintritt. Damitist ersichtlich ein Überlegenheitsverhältnis angelegt. Wie der, der dasGeld hat, dem überlegen ist, der die Ware hat, so besitzt der intellektuelleMensch als solcher eine gewisse Macht gegenüber dem, der mehr imGefühle und Impulse lebt. Denn soviel wertvoller des letzteren Gesamt-persönlichkeit sein mag, so sehr seine Kräfte in letzter Instanz jenenüberflügeln mögen — er ist einseitiger, engagierter, vorurteilsvoller alsjener, er hat nicht den souveränen Blick und die ungebundenen Ver-wendungsmöglichkeiten über alle Mittel der Praxis wie der reine Ver-standesmensch. Aus diesem Überlegenheitsmoment heraus, in dem dasGeld und die Intellektualität durch ihre Objektivität gegenüber jedemsingulären Lebensinhalt Zusammentreffen, hat Comte in seinem Zukunfts-staat an die Spitze der weltlichen Regierung die Bankiers gestellt, dasie die Klasse der allgemeinsten und abstraktesten Funktionen bildeten.Und dieser Zusammenhang klingt schon bei den mittelalterlichen Ge-sellenverbänden an, in denen der Seckeimeister zugleich der Vorstandder Bruderschaft zu sein pflegt.
Diese Begründung der Korrelation zwischen Intellektualität undgeldmäfsiger Wirtschaft auf die Objektivität und charakterologische Un-bestimmtheit, die beiden gemeinsam wären, begegnet nun aber einer sehr