490
entschiedenen Gegeninstanz. Neben der unpersönlichen Sachlichkeitnämlich, die der Intelligenz ihren Inhalten nach eigen ist, steht eineäulserst enge Beziehung, die sie gerade zur Individualität und zum ganzenPrinzip des Individualismus besitzt; das Geld seinerseits, so sehr es dieimpulsiv - subjektivistischen Verfahrungsweisen in überpersönliche undsachlich normierte überführt, ist dennoch die Pflanzstätte des wirtschaft-lichen Individualismus und Egoismus. Hier liegen also offenbar Mehr-deutigkeiten und Verschlingungen der Begriffe vor, die klar auseinander-gelegt werden müssen, um den durch sie bezeichenbaren Lebensstil zuverstehen. Jene Doppelrolle, die sowohl der Intellekt wie das Geldspielen, wird begreiflich, sobald man ihren Inhalt, den Sachgehalt ihresWesens, von der Funktion unterscheidet, die diesen trägt, bezw. vonder Verwendung, die von ihm gemacht wird. In dem ersteren Sinnehat der Intellekt einen nivellierten, ja, man möchte sagen: kommu-nistischen Charakter. Zunächst, weil es das Wesen seiner Inhalte ist,dafs sie allgemein mitteilbar sind, und dafs, ihre Richtigkeit vorausgesetzt,jeder hinreichend vorgebildete Geist sich von ihnen mufs überzeugenlassen können — wozu es auf den Gebieten des Willens und des Ge-fühles gar kein Analogon gibt. Auf diesen hängt jede Übertragungder gleichen inneren Konstellation von der mitgebrachten und jedemZwange nur bedingt nachgiebigen Verfassung der individuellen Seeleab; ihr gegenüber gibt es keine Beweise, wie sie dem Intellekt,wenigstens prinzipiell, zu Gebote stehen, um die gleiche Überzeugungdurch die Gesamtheit der Geister zu verbreiten. Die Beiehrbarkeit, dieihm allein eigen ist, bedeutet, dafs man sich auf einem mit Allen ge-meinsamen Niveau befindet. Dazu kommt, dafs die Inhalte der Intelligenz,von ganz zufälligen Komplikationen abgesehen, die eifersüchtige Aus-schliefsliclikeit nicht kennen, die die praktischen Lebensinhalte so oftbesitzen. Gewisse Gefühle, z. B. die mit dem Verhältnis zwischen einemIch und einem Du verbundenen, würden ihr Wesen und ihren Wert völligverlieren, wenn eine Mehrzahl sie genau so teilen dürfte; gewissenWillenszielen ist es unbedingt wesentlich, dafs Andere von ihnen, sowohldem Erstreben wie dem Erreichen nach, ausgeschlossen sind. TheoretischeVorstellungen dagegen gleichen, wie man wohl gesagt hat, der Fackel,deren Licht darum nicht geringer wird, dafs beliebig viele andere anihr entzündet werden; indem die potenzielle Unendlichkeit ihrer Ver-breitung gar keinen Einflufs auf ihre Bedeutung hat, entzieht sie siemehr als alle sonstigen Lebensinhalte dem Privatbesitz. Endlich bietensie sich durch die Fixierung, über die sie verfügen, in einer Art dar,die von der Aufnahme ihres Inhaltes alle individuellen Zufälligkeiten,