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wenigstens prinzipiell, ausschliefst. Wir haben gar keine Möglichkeit,Gefühlsbewegungen und Willensenergien in so restloser und unzwei-deutiger Weise niederzulegen, dafs jeder in jedem Augenblick daraufzurückgreifen und an der Hand des objektiven Gebildes den gleicheninneren Vorgang immer wieder erzeugen kann — wozu wir alleinintellektuellen Inhalten gegenüber in der in Begriffen und ihrer logischenVerknüpfung sich bewegenden Sprache ein zulängliches, von der indi-viduellen Disposition relativ unabhängiges Mittel besitzen. Nach ganzanderer Richtung aber entwickelt sich nun die Bedeutung des Intellektes,sobald die realen geschichtlichen Kräfte mit jenen abstrakten Sachlich-keiten und Möglichkeiten seines Inhaltes zu schalten beginnen. Zunächstist es gerade die Allgemeingültigkeit der Erkenntnis und ihre darausfolgende Eindringlichkeit und Unwiderstehlichkeit, die sie zu einer furcht-baren Waffe der irgend hervorragenderen Intelligenzen macht. Gegeneinen überlegenen Willen können wenigstens die nicht suggestiblenNaturen sich wehren; einer überlegenen Logik aber kann man sich nurdurch ein eigensinniges: Ich will nicht — entziehen, womit man sichdenn doch als den schwächeren bekennt. Es kommt hinzu, dafs zwardie grofsen Entscheidungen zwischen den Menschen von den über-intellektuellen Energien ausgehen, der tägliche Kampf um das Sein undHaben aber durch das einzusetzende Mals von Klugheit entschieden zuwerden pflegt. Die Macht der gröfseren Intelligenz beruht gerade aufdem kommunistischen Charakter ihrer Qualität: weil sie inhaltlich dasAllgemeingültige und überall Wirksame und Anerkannte ist, gibt schondas blolse Quantum ihrer, das jemandem durch seine Anlage zugängigist, ihm einen unbedingteren Vorsprung, als ein qualitativ individuellererBesitz es könnte, der eben wegen seiner Individualität nicht überall ver-wendbar ist und nicht ebenso an jedem Punkte der praktischen Weltirgend ein Herrschaftsgebiet findet. Hier wie sonst ist es gerade derBoden des gleichen Rechtes für Alle, der die individuellen Unterschiedezur vollen Entwicklung und Ausnutzung bringt. Gerade weil die blofsverstandesmäfsige, auf die unbegründbaren Betonungen des Wollens undFühlens verzichtende Vorstellung und Ordnung der menschlichen Ver-hältnisse keinen a priori gegebenen Unterschied zwischen den Individuenkennt, hat sie ebensowenig Grund, dem a posteriori hervortretendenirgend etwas von der Ausdehnung abzuschneiden, zu der er von sichaus gelangen kann — was durch den sozialen Pflichtwillen wie durchdie Gefühle von Liebe und Mitleid so oft geschieht. Darum ist dierationalistische Weltauffassung —- die, unparteiisch wie das Geld, auchdas sozialistische Lebensbild genährt hat — die Schule des neuzeitlichen