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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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ist: so bringt die allgemeine Erhöhung der Erkenntnisniveaus durchauskeine allgemeine Nivellierung, sondern das Gegenteil davon hervor.

Ich habe dies so ausführlich erörtert, weil die Gegensätzlichkeit desSinnes, die der Begriff der Intellektualität zeigt, am Gelde ihre genaueAnalogie findet. Dem Verständnis des Geldes dient so' nicht nur seineWechselwirkung mit der Intellektualität, durch die ihre Formen sichgegenseitig anähnlichen, sondern vielleicht auch der damit gegebene Hin-weis auf ein tiefer gelegenes, ihnen gemeinsames Prinzip, das die Gleich-heit ihrer Entwicklung trägt etwa auf jene fundamentale Beschaffenheitoder Sti mm ung der historischen Elemente, die, indem sie die Formungderselben bewirkt, ihren Stil ausmacht. Wie sehr nun das Geld auf derBasis seiner prinzipiellen All-Zugänglichkeit und Objektivität dennochder Ausbildung der Individualität und Subjektivität dient; wie geradeseine Immer- und Allgleichheit, sein qualitativ kommunistischer Charakterbewirkt, dafs jeder quantitative Unterschied sogleich zu qualitativenDifferenzen führt ist in den vorangehenden Kapiteln beschrieben. Eszeigt sich aber auch hier in der mit keinem anderen Kulturfaktor ver-gleichbaren Ausbreitung seiner Macht, die die entgegengesetztestenLebenstendenzen zu gleichen Rechten trägt, als die Verdichtung der reinformalen Kulturenergie, die jedem beliebigen Inhalt zugesetzt werdenkann, um ihn in seiner eigenen Richtung zu steigern und zu immerreinerer Darstellung zu bringen. Ich hebe deshalb nur einige spezielleAnalogien mit der Intellektualität hervor, des Inhalts, dafs die Unpersönlich-keit und Allgemeingültigkeit seines abstrakten, sachlichen Wesens, sobaldes auf seine Funktion und Verwendung ankommt, in den Dienst desEgoismus und der Differenzierung tritt. Der Charakter des Rationellenund Logischen, der sich am Egoismus herausstellte, haftet auch an dervollen und rücksichtslosen Ausnutzung des Geldbesitzes. Wir habenfrüher als das Bezeichnende des Geldes andern Besitzen gegenüber fest-gestellt, dafs es keinerlei Hinweis auf irgend eine bestimmte Verwendungs-art und ebendeshalb keinerlei Hemmung in sich schliefst, durch die ihmdie eine Verwendung ferner oder schwieriger wäre als die andere; injede, gerade fragliche, geht es restlos auf, ohne dafs ein Verhältnis seinerQualität zu der der realen Objekte spezifisch fördernd oder abbiegendwirkte darin den logischen Formen selbst vergleichbar, die sich jedembeliebigen Inhalt, seiner Entwicklung oder Kombination gleichmäfsigdarbieten und eben dadurch freilich dem sachlich Unsinnigsten und Ver-derblichsten dieselbe Chance der Darstellung und formalen Richtigkeitwie dem Wertvollsten gewähren; und nicht weniger den Schematen desRechtes analog, dem es oft genug an Schutzvorrichtungen dagegen fehlt,