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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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zum schärfsten und folgenreichsten Ausdruck zu bringen, der Egoismushat sich, indem er die Schranken der formalen Gleichheit einhält, mitinneren und äufseren Hindernissen abgefunden und besitzt nun geradein der Allgemeingültigkeit jener Bestimmungen eine Waffe, die, weil siejedem dient, auch gegen jeden dient. Die Formen der Rechtsgleichheitbezeichnen den Typus hierfür, den einerseits die Intellektualität in ihreroben geschilderten Bedeutung, andrerseits das Geld wiederholt: seineallgemeine Zugängigkeit und Gültigkeit, sein potenzieller Kommunismusbeseitigt sowohl für die Oben- wie für die Unten- wie für die Gleich-stehenden gewisse Schranken, die aus der apriorischen, standesmäfsigenAbgrenzung der Besitzarten gefolgt waren. So lange der Grundbesitzund die Berufe in den Händen bestimmter Klassen waren, brachten sieVerpflichtungen gegen die Tief erstehenden, Solidaritäten der Genossen,selbstverständliche Begehrlichkeitsgrenzen der Ausgeschlossenen mit sichzu denen für einen »aufgeklärten« Rationalismus kein Grund mehr vor-liegt, sobald jeder Besitz in einen Wert überführbar ist, von dessen un-begrenzter Erwerbung niemand prinzipiell fernzuhalten ist womitnatürlich die Frage nach der Gesamt- Zu- oder Abnahme des Egoismusim Lauf der Geschichte keineswegs entschieden ist.

Endlich erwähne ich das äufserst Charakteristische, dafs auch jeneAufhäufung intellektueller Errungenschaften, die dem irgendwie Be-günstigten einen unverhältnismäfsigen und rapid wachsenden Vorsprunggönnt, in den Akkumulierungen des Geldkapitals ihre Analogie findet.Die Struktur der geldwirtschaftlichen Verhältnisse, die Art, wie das GeldRenten und Gewinn erzielt, bringt es mit sich, dafs es von einer gewissenHöhe ab sich wie von selbst vermehrt, ohne durch verhältnismäfsigeArbeit des Besitzers befruchtet zu werden. Dies entspricht der Strukturder Erkenntnisse in der Kulturwelt, die von einem bestimmten Punktean einen immer geringeren Selbsterwerb des Einzelnen fordern, weil sichdie Wissensinhalte in verdichteter und mit ihrer gröfseren Höhe immerkonzentrierterer Form darbieten. Auf den Höhen der Bildung fordertjeder weitere Schritt oft im Verhältnis zu dem Tempo der Erwerbungenniederer Stufen ebenso viel weniger Mühe, wie er einen höheren Er-kenntnisertrag liefert. Wie die Objektivität des Geldes ihm schliefslichein von personalen Energien relativ unabhängiges »Arbeiten« gestattet,dessen sich aufhäufende Erträge wie automatisch zu weiteren Aufhäufungenin steigenden Proportionen führen so bewirkt das Objektivwerdender Erkenntnisse, die Lösung der Resultate der Intelligenz von demProzesse der letzteren selbst, dafs diese Resultate sich zu verdichtetenAbstraktionen aufhäufen, und dafs man sie, wenn man nur schon hoch