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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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genug steht, wie Früchte pflücken kann, die ihren Reifeprozefs ohneunser Zutun vollzogen haben.

Als Erfolg von alledem wird das Geld, das seinem immanentenWesen und seinen begrifflichen Bestimmungen nach ein absolut demo-kratisches, nivelliertes, jede individuelle Sonderbeziehung ausschliefsendesGebilde ist, gerade von den auf allgemeine Gleichheit ausgehendenBestrebungen aufs entschiedenste verworfen die gleiche Konsequenzaus den gleichen Voraussetzungen, wie wir sie der Intellektualitätgegenüber beobachten konnten. Die Allgemeinheit im logisch-inhalt-lichen Sinne und die im sozial-praktischen Sinne fallen in diesen beidenProvinzen auseinander. In anderem gehen sie oft genug zusammen:so hat man es als das Wesen der Kunst gleichviel, ob erschöpfendoder nicht bezeichnet, dafs ihr Inhalt die typisch-allgemeinen Zügeder Erscheinungen darstelle, damit aber auch an die typischen Seelen-regungen der Gattung in uns appelliere, ihren prinzipiellen Anspruchauf allgemeine subjektive Anerkennung auf die Ausschaltung allesZufällig-Individuellen in ihrem Objekte gründe. So erheben sich dieGebilde der Religion ihrem Begriff nach über alle Besonderheit irdischerGestaltung zum Absolut-Allgemeinen und gewinnen eben dadurch dieBeziehung zu dem Allgemeinsten und alle Individuen Verbindenden inder Menschenwelt; sie erlösen uns von dem blofs Individuellen in uns,indem sie dieses durch die All-Einheit ihres Inhalts auf die fundamentalen,als die gemeinsamen Wurzeln alles Menschlichen empfundenen Zügezurückführen. Ebenso verhält sich die Moral im Sinne Kants . DieHandlungsweise, welche eine logische Verallgemeinerung verträgt, ohnemit sich selbst in Widerspruch zu geraten, sei zugleich sittliches, fürjeden Menschen ohne Ansehn der Person gültiges Gebot, das Kriterium:dafs man sich die praktische Maxime als Naturgesetz denken könne, alsoihre begriffliche, objektive Allgemeinheit, entscheidet über die Allgemein-heit für alle Subjekte, die sie als moralische Forderung besitzt. ImGegensatz zu diesen Gebilden scheint das moderne Leben an anderengerade eine Spannung zwischen der sachlich-inhaltlichen und der praktisch-personalen Allgemeinheit aufwachsen zu lassen. Gewisse Elemente ge-winnen immer gröfsere Allgemeinheit ihres Inhalts, ihre Bedeutung wirdüber immer mehr Einzelheiten und Beziehungen mächtig, ihr Begriffschliefst, unmittelbar oder mittelbar, einen immer gröfseren Teil derWirklichkeit ein; so das Recht, die Prozesse und Ergebnisse der Intellek-tualität, das Geld. Hand in Hand damit geht aber die Zuspitzung der-selben zu subjektiv differenzierten Lebensgestaltungen, die Ausnutzungihrer ausgreifenden, allen Interessenstoff ergreifenden Bedeutung für dieSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 32