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und Werken, Organisationen und Traditionen der Träger dieser Unter-scheidung, die dem Menschen erst seine Welt, ja: eine Welt schenkt.
Ist dieser objektive Geist der geschichtlichen Gesellschaft nun ihrKulturinhalt im weitesten Sinne, so mifst sich die praktische Kultur-bedeutung seiner einzelnen Bestandteile dennoch an dem Umfang, in demsie zu Entwicklungsmomenten der Individuen werden. Denn angenommen,jene Entdeckung Newtons stünde nur in einem Buch, von dem niemandweifs, so wäre sie zwar immer noch objektiv gewordener Geist und einpotenzieller Besitz der Gesellschaft, aber kein Kulturwert mehr. Dadieser extreme Fall in unzähligen Abstufungen auftreten kann, so ergibtsich unmittelbar, dafs in einer gröfseren Gesellschaft immer nur ein ge-wisser Teil der objektiven Kulturwerte zu subjektiven werden wird.Betrachtet man die Gesellschaft als ein Ganzes, d. h. ordnet man die inihr überhaupt objektiv werdende Geistigkeit in einen zeitlich-sachlichenKomplex, so ist die gesamte Kulturentwicklung, für die man so eineneinheitlichen Träger fingiert hat, reicher an Inhalten, als die jedes ihrerElemente. Denn die Leistung jedes Elementes steigt in jenen Gesamt-besitz auf, aber dieser nicht zu jedem Element hinab. Der ganze Stildes Lebens einer Gemeinschaft hängt von dem Verhältnis ab, indem dieobjektiv gewordene Kultur zu der Kultur der Subjekte steht. Auf dieBedeutung der numerischen Bestimmtheiten habe ich schon hingedeutet.In einem kleinen Kreise von niedriger Kultur wird jenes Verhältnisnahezu eines der Deckung sein, die objektiven Kulturmöglichkeiten werdendie subjektiven Kulturwirklichkeiten nicht weit überragen. Eine Steigerungdes Kulturniveaus — insbesondere wenn es mit einer Vergröfserung desKreises gleichzeitig ist — wird das Auseinanderfallen beider begünstigen :es war die unvergleichliche Situation Athens in seiner Blütezeit, dafs esbei all seiner Kulturhöhe gerade dies — aufser etwa in Bezug auf diehöchsten philosophischen Bewegungen — zu vermeiden wufste. Aberdie Gröfse des Kreises macht an und für sich das Auseinandertretendes subjektiven und des objektiven Faktors noch nicht verständlich. Esgilt vielmehr jetzt die konkreten, wirkenden Ursachen der letzteren Er-scheinung aufzusuchen.
Will man diese und die Stärke ihres gegenwärtigen Auftretens ineinen Begriff konzentrieren, so ist dieser: Arbeitsteilung; und zwarsowohl nach ihrer Bedeutung innerhalb der Produktion wie der Kon-sumtion. In eisterer Hinsicht ist oft genug hervorgehoben worden, wiedie Vollendung des Produkts auf Kosten der Entwicklung des Produzentenzustande kommt. Die Steigerung der physisch-psychischen Energien