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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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gerade nur die äufserste Differenzierung der Produktion imstande ist, dieObjekte so billig und massenhaft herzustellen, wie es der Umfang desKonsums fordert. So ist der letztere wiederum ein Band, das die Ob-jektivität der Kultur mit ihrer Arbeitsteilung Zusammenhängen läfst.

Endlich wirkt der Prozefs, den man als Trennung des Arbeiters vonseinem Arbeitsmittel bezeichnet und der doch auch eine Arbeitsteilungist, ersichtlich im gleichen Sinn. Indem es jetzt die Funktion des Kapi-talisten ist, die Arbeitsmittel zu erwerben, zu organisieren, auszuteilen,haben diese letzteren für den Arbeiter eine ganz andere Objektivität,als sie für denjenigen haben müssen, der am eigenen Material und miteigenen Werkzeugen arbeitet. Diese kapitalistische Differenzierung trenntdie subjektiven und die objektiven Bedingungen der Arbeit gründlichvon einander eine Trennung, zu der, als beide noch in einer Handvereinigt waren, gar keine psychologische Veranlassung vorlag. Indemdie Arbeit selbst und ihr unmittelbarer Gegenstand verschiedenenPersonen zugehören, mufs sich für das Bewufstsein des Arbeiters derobjektive Charakter dieser Gegenstände aufserordentlich scharf betonen,um so schärfer, als die Arbeit und ihre Materie doch andrerseits wiedereine Einheit sind und so gerade ihr nahes Aneinander ihre jetzigenGegenrichtungen am fühlbarsten machen mufs. Und das findet seineFortsetzung und Gegenbild darin, dafs aufser dem Arbeitsmittel auchnoch die Arbeit selbst sich von dem Arbeiter trennt: denn dies ist dieBedeutung der Erscheinung, die man damit bezeichnet, dafs die Arbeits-kraft eine Ware geworden ist. Wo der Arbeiter an eigenem Materialschafft, verbleibt seine Arbeit innerhalb des Umkreises seiner Persönlich-keit, und erst das vollendete Werk verläfst denselben beim Verkauf.Mangels der Möglichkeit indes, seine Arbeit in dieser Weise zu verwerten,stellt er sie für einen Marktpreis in die Verfügung eines Anderen, trenntsich also von ihr von dem Augenblick an, wo sie ihre Quelle verläfst.Dafs sie nun Charakter, Bewertungsweise, Entwicklungsschicksale mitallen Waren überhaupt teilt, das bedeutet eben, dafs sie dem Arbeiterselbst gegenüber etwas Objektives geworden ist, etwas, das er nichtnur nicht mehr ist, sondern eigentlich auch nicht mehr hat. Dennsobald seine potenzielle Arbeitsmenge sich in wirkliches Arbeiten umsetzt,gehört nicht mehr sie, sondern ihr Geldäquivalent ihm, während sie selbsteinem Anderen, oder genauer: einer objektiven Arbeitsorganisation zu-gehört. Das Ware-Werden der Arbeit ist also auch nur eine Seite desweitausgreifenden Differenzierungsprozesses, der aus der Persönlichkeitihre einzelnen Inhalte herauslöst, um sie ihr als Objekte, mit selbständigerBestimmtheit und Bewegung, gegenüberzustellen. Schliefslich zeigt sich