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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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das Ergebnis dieses Schicksals der Arbeitsmittel und Arbeitskraft anihrem Produkt. Dals das Arbeitsprodukt der kapitalistischen Epoche einObjekt mit entschiedenem Fürsichsein, eigenen Bewegungsgesetzen, demherstellenden Subjekt selbst fremdem Charakter ist, wird da zur ein-dringlichsten Vorstellung werden, wo der Arbeiter genötigt ist, seineigenes Arbeitsprodukt, wenn er es haben will, zu kaufen. Dies istnun ein allgemeines Schema der Entwicklung, das weit über den Lohn-arbeiter hinaus gilt. Die ungeheure Arbeitsteilung z. B. in der Wissen-schaft bewirkt es, dafs nur äufserst wenige Forscher sich die Vor-bedingungen ihrer Arbeit selbst beschaffen können; unzählige Tatsachenund Methoden mufs man einfach als objektives Material von aufsen auf-nehmen, ein geistiges Eigentum Anderer, an dem sich die eigene Arbeitvollzieht. Ich erinnere für das Gebiet der Technik daran, dafs noch am An-fang des 19. Jahrhunderts, als besonders in der Textil- und Eisenindustrie diegrofsartigsten Erfindungen rasch aufeinander folgten, die Erfinder nichtnur die Maschinen, die sie ersannen, eigenhändig und ohne Beihilfe andererMaschinen herstellen, sondern meistens noch vorher die dazu erforder-lichen Werkzeuge selbst ausdenken und anfertigen mufsten. Den jetzigenZustand in der Wissenschaft kann man als eine Trennung des Arbeitersvon seinen Arbeitsmitteln im weiteren Sinne bezeichnen, und jedenfallsin dem hier fraglichen. Denn in dem eigentlichen Prozefs der wissen-schaftlichen Produktion scheidet sich nun doch ein dem Produzentengegenüber objektives Material von dem subjektiven Prozefs seiner Arbeit.Je undifferenzierter der Wissenschaftsbetrieb noch war, je mehr derForscher alle Voraussetzungen und Materialien seiner Arbeit persönlich-erarbeiten mufste, desto weniger bestand für ihn der Gegensatz seinersubjektiven Leistung und einer Welt objektiv feststehender wissen-schaftlicher Gegebenheiten. Und auch hier erstreckt sich dieser in dasProdukt der Arbeit hinein: auch das Ergebnis selbst, so sehr es alssolches die Frucht subjektiven Bemühens ist, mufs um so eher in dieKategorie einer objektiven, von dem Produzenten unabhängigen Tatsacheaufsteigen, je mehr Arbeitsprodukte Anderer schon von vornherein inihm zusammengebracht und wirksam sind. Darum sehen wir auch, dafsin der Wissenschaft der geringsten Arbeitsteilung, der Philosophieinsbesondere in ihrem metaphysischen Sinne einerseits das aufgenommeneobjektive Material eine durchaus sekundäre Rolle spielt, andrerseits dasProdukt sich am wenigsten von seinem subjektiven Ursprung gelöst hat,vielmehr ganz als Leistung dieser einen Persönlichkeit auftritt.

Wenn so die Arbeitsteilung die ich hier in ihrem weitestenSinne, die Produktionsteilung wie die Arbeitszerlegung wie die Speziali-