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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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sation einschliefsend verstehe die schaffende Persönlichkeit von demgeschaffenen Werk abtrennt und dies letztere eine objektive Selbständig-keit gewinnen läfst, so stellt sich Verwandtes in dem Verhältnis derarbeitsteiligen Produktion zum Konsumenten ein. Hier handelt es sichum die Herleitung innerer Folgen aus allbekannten äufseren Tatsachen.Die Kundenarbeit, die das mittelalterliche Handwerk beherrschte underst im letzten Jahrhundert ihren rapidesten Rückgang erfahren hat,beliefs dem Konsumenten ein persönliches Verhältnis zur Ware: da siespeziell für ihn bereitet war, sozusagen eine Wechselwirkung zwischenihm und dem Produzenten darstellte, so gehörte sie, in einigermafsenähnlicher Weise wie diesem, innerlich, auch ihm zu. Wie man denschneidenden Gegensatz von Subjekt und Objekt in der Theorie dadurchversöhnt hat, dafs man dieses in jenem als seine Vorstellung bestehenliefs, so kommt der gleiche Gegensatz in der Praxis nicht zur Entfaltung,,solange das Objekt entweder nur durch ein Subjekt, oder um einesSubjektes willen entsteht. Indem die Arbeitsteilung die Kundenproduktionzerstört schon weil der Abnehmer sich wohl mit einem Produzenten,,aber nicht mit einem Dutzend Teilarbeiter in Verbindung setzen kannverschwindet die subjektive Färbung des Produkts auch nach der Seitedes Konsumenten hin, denn es entsteht nun unabhängig von ihm, dieWare ist nun eine objektive Gelegenheit, an die er von aufsen herantrittund die ihr Dasein und Sosein ihm gleichsam als etwas Autonomesgegenüberstellt. Der Unterschied z. B. zwischen dem modernen, aufdie äufserste Spezialisierung gebauten Kleidermagazin und der Arbeitdes Schneiders, den man ins Haus nahm, charakterisiert aufs schärfstedie gewachsene Objektivität des wirtschaftlichen Kosmos, seine über-persönliche Selbständigkeit im Verhältnis zum konsumierenden Subjekt,mit dem er ursprünglich verwachsen war. Man hat hervorgehoben, dafsmit der Zerspaltung der Arbeit in immer speziellere Teilleistungen dieTauschverhältnisse immer vielgliedriger, vermittelter werden und damitdie Wirtschaft immer mehr Beziehungen und Obligationen enthaltenmüsse, die nicht unmittelbar gegenseitig sind. Es liegt aufder Hand, wie sehr der Gesamtcharakter des Verkehrs damit objektiviertist, wie die Subjektivität sich brechen, in kühle Reserviertheit und anonymeObjektivität übergehen mufs, wenn zwischen den Produzenten und den,der sein Produkt aufnimmt, sich so und so viele Zwischeninstanzenschieben, die den einen ganz aus dem Blickkreise des anderen rücken.

Mit dieser dem Abnehmer gegenüber bestehenden Autonomie derProduktion hängt eine Erscheinung der Arbeitsteilung zusammen, diejetzt ebenso alltäglich, wie in ihrer Bedeutung wenig erkannt ist. Von