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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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haschten Abspiegelung jener reinen Bedeutsamkeiten erscheinen magfür uns ist jene plastische Klarheit und logische Formbestimmtheitnicht der einzige Wertmafsstab der Ideale und Wirklichkeiten. Uns istdie Form persönlicher Einheit, zu der das Bewufstsein den objektivengeistigen Sinn der Dinge zusammenführt, von unvergleichlichem Wert:hier erst gewinnen sie die Reibung aneinander, die Leben und Kraft ist,hier entwickeln sich erst jene dunklen Wärmestrahlen des Gemütes, fürdie die klare Perfektion rein sachlich bestimmter Ideen keinen Platz undkein Herz hat. So aber verhält es sich auch mit dem Geiste, der durchVergegenständlichung unserer Intelligenz sich der Seele als Objektgegenüberstellt. Und zwar wächst der Abstand zwischen beiden offenbarin demselben Mafse, in dem der Gegenstand durch das arbeitsteiligeZusammenwirken einer wachsenden Anzahl von Persönlichkeiten entsteht;denn in eben diesem Mafs wird es unmöglich, in das Werk die Einheitder Persönlichkeit hineinzuarbeiten, hineinzuleben, an welche sich füruns gerade der Wert, die Wärme, die Eigenart der Seele knüpft. Dafsdem objektiven Geist durch die moderne Differenziertheit seines Zustande-kommens eben diese Form der Seelenhaftigkeit fehlt in engemZusammenhang mit dem mechanischen Wesen unserer Kulturproduktedas mag der letzte Grund der Feindseligkeit sein, mit der sehr indivi-dualistische und vertiefte Naturen jetzt so häufig dem »Fortschritt derKultur« gegenüberstehen. Und zwar um so mehr, als diese, durch dieArbeitsteilung bestimmte Entwicklung der objektiven Kultur eine Seiteoder Folge der allgemeinen Erscheinung ist, die man so auszudrückenpflegt: dafs das Bedeutende in der gegenwärtigen Epoche nicht mehrdurch die Individuen, sondern durch die Massen geschehe. Die Arbeits-teilung bewirkt in der Tat, dafs der einzelne Gegenstand schon einProdukt der Masse ist-; die, unsere Arbeitsorganisation bestimmende,Zerlegung der Individuen in ihre einzelnen Energien und die Zusammen-führung des so Herausdifferenzierten zu einem objektiven Kulturprodukthat zur Folge, dafs in diesem einzelnen um so weniger Seele ist, je mehrSeelen an seiner Herstellung beteiligt waren. Die Pracht und Gröfseder modernen Kultur zeigt so einige Analogie mit jenem strahlendenIdeenreiche Platos, in dem der objektive Geist der Dinge in makelloserVollendung wirklich ist, dem aber die AVerte der eigentlichen, nicht inSachlichkeiten auflösbaren Persönlichkeit fehlen ein Mangel, den allesBewufstsein des fragmentarischen, irrationalen, ephemeren Charakters derletzteren nicht unfühlbar machen kann. Ja, die personale Seelenhaftigkeitbesitzt als blofse Form einen Wert, der sich neben aller Minderwertig-keit und Kontraidealität ihres jeweiligen Inhalts behauptet; sie bleibt