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Verhältnisse die Skizze oder den Typus der vom Sozialismus er-strebten ab.
Hier ordnet sich das Geld einer uns schon früher wichtig gewordenenKategorie von Lebensmächten ein, deren sehr eigenartiges Schema es ist,dals sie ihrem Wesen und ursprünglichen Sinne nach sich über die Gegen-sätze erheben, in die die betreffende Interessenprovinz auseinandergeht,als die ungeteilte Indifferenz derselben jenseits ihrer stehen — dann oderzugleich aber in den Gegensatz der Einzelheiten hinuntersteigen: siewerden Partei, wo sie soeben Unbeteiligte oder Richter gewesen waren.So zunächst die Religion — die der Mensch braucht, um die Entzweiungzwischen seinen Bedürfnissen und deren Befriedigung, zwischen seinemSollen und seiner Praxis, zwischen seinem Idealbild der Welt und derWirklichkeit zu versöhnen. Hat er sie aber einmal geschaffen, so bleibtsie nicht in der Höhe, die sie in ihren höchsten Augenblicken erreicht,sondern steigt selbst auf den Kampfplatz hinunter, wird eine Seite imDualismus des Daseins, den sie eben noch in sich vereinheitlichte. DieReligion steht einerseits dem, was wir als unser ganzes Leben empfinden,als äquivalente Macht gegenüber, sie ist eine Totalität jenseits allerRelativitäten unserer sonstigen Menschlichkeit; und andrerseits steht siedoch wieder i m Leben, als eines seiner Elemente und erst in derWechselwirkung mit allen anderen die Ganzheit desselben ausmachend.So ist sie ein ganzer Organismus und zugleich ein Glied, ein Teil desDaseins und zugleich das Dasein selbst auf einer höheren, verinnerlichtenStufe. Die gleiche Form zeigt das Verhalten des Staates. Sicher ist esdessen Sinn, über den Parteien und den Konflikten ihrer Interessen zustehen, und dieser abstrakten Höhe verdankt er seine Macht, seine Un-berührbarkeit, seine Stellung als letzte Instanz der Gesellschaft. Mitalledem nun ausgerüstet, pflegt er dennoch in jenen Streit der partikularenGesellschaftsmächte einzutreten, die Partei der einen gegen gewisse anderezu ergreifen, die, obgleich von ihm in seinem weiteren Sinne mitumfafst,ihm in seinem engeren Sinne wie Macht zu Macht gegenüberstehen.Das ist die Doppelstellung oberster Instanzen, die sich innerhalb derMetaphysik wiederholt, wenn sie etwa der Gesamtheit des Seins geistigesWesen zuschreibt, das Absolute, das alle Erscheinungen trägt oder aus-macht, für eine geistige Substanz erklärt. Aber dieses Absolute mufssie zugleich als ein Relatives anerkennen. Denn in der Wirklichkeitsteht dem Geiste nicht nur eine Körperlichkeit gegenüber, so dafs er indiesem Gegensatz erst sein eigenes Wesen findet, sondern es begegnengeistige Erscheinungen unterwertiger Art, Böses, Träges, Feindseliges;und eine derartige Metaphysik wird solches nicht als dem Geiste zu-