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setzen. Das Geld bewahrt wirklich das Umfassende, das seinen all-gemeinen Sinn ausmacht, auch in der Gleichmäfsigkeit, mit der es sichden Gegensatzpaaren leiht, wenn sie auseinandertretend ihr allgemeinesVerhältnis zum Gelde für die Ausgestaltung ihrer Unterschiede und dasAusfechten ihrer Konflikte benutzen. Die Objektivität des Geldes istpraktisch kein Jenseits der Gegensätze, das dann nur von einem dieserillegitim gegen den anderen ausgenutzt würde; sondern diese Objektivitätbedeutet von vornherein den Dienst beider Seiten des Gegensatzes.
Aber damit fällt das Geld nicht etwa in die breite Kategorie, derdie Luft angehört, die die sonst Unterschiedensten doch unterschiedslosatmen, oder die Waffen, deren Gleichartigkeit sich nicht der Benutzungdurch alle Parteien verweigert. Das Geld ist zwar das umfassendsteBeispiel auch für diese Tatsache: dafs auch die radikalsten Unterschiedeund Gegnerschaften in der Menschenwelt immer noch für Gleichheitenund Gemeinsamkeiten Raum geben — aber es ist doch noch mehr.Jener Typus unparteiischer Dinge bleibt den inneren Tendenzen, denensie dienen, etwas schlechthin Aufserliches. Dagegen, so fremd das Geldauch seinem abstrakten Wesen nach allen Innerlichkeiten und Qualitätengegenübersteht, so zeigt es, als der ökonomische Extrakt des Wert-kosmos in dessen ganzer Ausdehnung, doch sehr häufig die geheimnis-volle Fähigkeit, dem ganz spezifischen Wesen und Tendenz jedervon zwei entgegengesetzten Einseitigkeiten zu dienen; die eine entnimmtdem allgemeinen Wertreservoir, das es darstellt, gerade die Kräfte, dieAusdrucksmittel, die Verbindungs- oder Verselbständigungsmöglich-keiten, die ihrer Eigenart angepafst sind, während es der inhaltlich ent-gegengesetzten nicht weniger biegsame und schmiegsame, nicht wenigergerade ihrer Innerlichkeit entgegenkommende Hilfen bietet. Das istdie Bedeutung des Geldes für den Stil des Lebens, dafs es gerade ver-möge seines Jenseits aller Einseitigkeit einer jeden solchen wie eineigenes Glied ihrer Zuwachsen kann. Es ist das Symbol, im Engen undEmpirischen, der unsagbaren Einheit des Seins, aus der der Welt inihrer ganzen Breite und all ihren Unterschieden ihre Energie und Wirk-lichkeit strömt. Denn so wird die Metaphysik sich doch wohl die ansich unerkennbare Struktur der Dinge subjektiv deutend auseinander-legen müssen: dafs die Inhalte der Welt, einen blofs geistigen Zusammen-hang bildend, in blolser Ideellität bestehen und nun — natürlich nichtin zeitlichem Prozeis — über sie das Sein kommt; wie man es aus-gedrückt hat: dafs das Was sein Dafs gewinnt. Niemand wüfste zusagen, was dieses Sein denn eigentlich ist, das den wirklichen Gegen-stand von dem qualitativ nicht von ihm unterschiedenen, aber blofs