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gültigen, blols logischen Sachgehalt unterscheidet. Und dieses Sein, soleer und abstrakt sein reiner Begriff ist, erscheint als der warme Stromdes Lebens, der sich in die Schemata der Dingbegriffe ergiefst, der siegleichsam aufblühen und ihr Wesen entfalten läfst, gleichviel wie unter-schieden oder einander feindselig ihr Inhalt und ihr Verhalten sei. Aberes ist ihnen doch nichts äufserliches oder fremdes, sondern ihr eigenesWesen ist es, das das Sein aufnimmt und in wirksame Wirklichkeit ent-wickelt. Dieser Kraft des Seins nähert sich von allem Äufserlich-Praktischen — für das jede Analogie mit dem Absoluten immer nurunvollständig gelten kann — das Geld am meisten. Wie jene steht esseinem Begriffe nach ganz aufserhalb der Dinge und deshalb gegen ihreUnterschiede völlig gleichgültig, so dafs jedes einzelne es ganz in sichaufnehmen und mit ihm gerade sein spezifisches Wesen zur voll-kommensten Darstellung und Wirksamkeit bringen kann. Seine Be-deutung für die Entwicklung der Lebensstile, die man als den rhyth-mischen und den individuell - sachlichen bezeichnen kann, habe ich des-halb herausgehoben, weil die unvergleichliche Tiefe ihres Gegensatzesden Typus dieser Wirksamkeit des Geldes sehr rein hervorleuchtenläfst. —
Endlich gibt es eine dritte Beeinflussung, durch die das Geld denInhalten des Lebens ihre Form und Ordnung bestimmen hilft ; sie betrifftdas Tempo des Verlaufs derselben, in dem sich die verschiedenenhistorischen Epochen, die Zonen der gleichzeitigen Welt, die Individuendesselben Kreises unterscheiden. Unsere innere Welt ist gleichsam nachzwei Dimensionen ausgedehnt, deren Mafse über das Lebenstempo be-stimmen. Je tiefer die Unterschiede zwischen den Vorstellungsinhalten —selbst bei gleicher Zahl der Vorstellungen — in einer Zeiteinheit sind,desto mehr lebt man, eine desto gröfsere Lebensstrecke gleichsam wirdzurückgelegt. Was wir als das Tempo des Lebens empfinden, ist dasProdukt aus der Summe und der Tiefe seiner Veränderungen. Die Be-deutung, die dem Gelde für die Herstellung des Lebenstempos einer ge-gebenen Epoche zukommt, mag zunächst aus den Folgen hervorleuchten,die eben die Veränderung der Geldverhältnisse für die Verände-rung jenes Tempos aufweisen.
Man hat behauptet, dafs die Vermehrung des Geldquantums, sei esdurch Metallimporte, oder durch Verschlechterung des Geldes, durchpositive Handelsbilanzen oder durch Papiergeldausgabe, den innerenStatus des Landes ganz ungeändert lassen müfste. Denn wenn man vonden wenigen Personen absehe, deren Einkommen in nicht vermehrbarenfesten Bezügen besteht, so sei zwar bei Geldvermehrung jede Ware oder