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Leistung mehr Geld wert, als vorher, allein da jedermann sowohl Kon-sument wie Produzent sei, so nehme er als letzterer nur soviel mehr ein,wie er als ersterer mehr ausgebe, und alles bleibe beim Alten. Selbstwenn eine solche proportionale Preissteigerung der objektive Effekt derGeldvermehrung wäre, so würde sie dennoch sehr wesentliche psycho-logische Veränderungserscheinungen mit sich bringen. Man entschliefstsich nicht leicht, einen über dem bisherigen und gewohnten liegendenPreis für eine Ware anzulegen, selbst wenn das eigene Einkommen in-zwischen gestiegen ist; und man läfst sich andrerseits durch gewachsenesEinkommen leicht zu allerhand Aufwendungen bestimmen, ohne zu be-denken, dafs jenes Plus durch die Preissteigerung der täglichen Bedürf-nisse ausgeglichen wird. Die blofse Vermehrung des Geldquantums, dasman auf einmal in der Hand hat, vermehrt, ganz unabhängig von allenÜberlegungen ihrer blofsen Relativität, die Versuchung zum Geldausgebenund bewirkt damit einen gesteigerten Warenumsatz, also eine Vermeh-rung, Beschleunigung und Vermannigfaltigung der ökonomischen Vor-stellungen. Jener Grundzug unseres Wesens: das Relative psychologischzum Absoluten auswachsen zu lassen — nimmt der Beziehung zwischeneinem Objekte und einem bestimmten Geldquantum ihren fliefsendenCharakter und verfestigt sie zu sachlicher, dauernder Angemessenheit.Dadurch entsteht nun, sobald das eine Glied des Verhältnisses sich ändert,eine Erschütterung und Desorientierung. Die Alterierung in den Aktivenund den Passiven gleicht sich in ihren psychologischen Wirkungen keines-wegs unmittelbar aus, von jeder Seite her wird das Bewufstsein derökonomischen Prozesse in der bisherigen Stetigkeit seines Verlaufs unter-brochen, der Unterschied gegen den vorigen Stand macht sich auf jedergesondert geltend. Solange die neue Anpassung nicht vollzogen ist, wirddie gleichmäfsige Vermehrung des Geldes zu fortwährenden Differenz-gefühlen und psychischen Chocs Veranlassung geben, so die Unterschiede,das Sich-Gegeneinander-Absetzen innerhalb der ablaufenden Vorstellungenvertiefen und damit das Tempo des Lebens beschleunigen. Deshalb istes mindestens mifsverständlich, wenn man aus der dauernden Steigerungder Einkommen auf eine »Konsolidierung der Gesellschaft« geschlossenhat. Gerade vermöge der Vermehrung des Geldeinkommens ergreift dieunteren Stände eine Erregtheit, die, je nach dem Parteistandpunkt, alsBegehrlichkeit und Neuerungssucht, oder als gesunde Entwicklung undSchwungkraft gedeutet wird, aber bei gröfserer Stabilität des Einkommensund der Preise — die zugleich Stabilität der sozialen Abstände bedeutet— jedenfalls ausbleibt.
Die beschleunigenden Wirkungen der Geldvermehrung auf den