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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Einleitung

den Autoritäten des Rechts und der Moral die Weihe dergrundsätzlichen Anerkennung und Vorschrift. In dem thomistischenLehrgebäude bildet die Idee des standesgemäßen Anterhalts einwichtiges Fundamentum: es ist nötig, daß die Beziehungen desMenschen zur äußeren Güterwelt irgendwie einer Beschränkung,einem Maßstabe unterworfen werden: necesge est quoci bcmumnomini8 circa es (sc. bcma exteriora) consislat in quacismmensui-3. Dieses Maß bildet den standesgemäßen Unterhalt:prout sunt nece8S3N3 sci viwm eius secuncium gusm con-cZitlvnem ^).

Standesgemäß soll der Anterhalt sein. Also verschieden großund verschieden geartet innerhalb der verschiedenen Stände. Daheben sich denn deutlich zwei Schichten voneinander ab, derenLebensführung das vorkapitalistische Dasein kennzeichnen: dieÄerren und die Masse des Volkes, die Reichen und die Armen, dieSeigneure und die Bauern, Handwerker und Krämer, die Leute,die ein freies, unabhängiges Leben führen, ohne wirtschaftlicheArbeit, und diejenigen, die im Schweiße ihres Angesichts ihrBrot verdienen, die Wirtschaftsmenschen.

Ein seigneuriales Dasein führen heißt aus demVollen leben und viele leben lassen; heißt im Kriege und aufder Jagd seine Tage verbringen und im lustigen Kreise froherZecher, beim Würfelspiel oder in den Armen schöner Frauendie Nächte vertun. Äeißr Schlösser bauen und Kirchen, heißtGlanz und Pracht auf den Turnieren oder bei anderen fest-lichen Gelegenheiten entfalten, heißt Luxus treiben, soweit esdie Mittel erlauben und über diese hinaus. Immer sind dieAusgaben größer als die Einnahmen. Dann muß dafür gesorgtwerden, daß diese entsprechend sich vergrößern: Der Vogt mußdie Abgaben der Bauern erhöhen, der Rendant muß die Pachtesteigern, oder man sucht (wie wir noch sehen werden) außerhalbder Kreise des normalen wirtschaftlichen Gütererwerbs die