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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Zweites Kapitel: Die vorkapitalistische Wirtschaftsgestnnung 1Z

Mittel, um das Defizit zu decken. Das Geld verachtet derSeigneur. Es ist schmutzig, ebenso wie alle Erwerbstätigkeitschmutzig ist. Geld ist zum Ausgeben da^):usus pecuniaeest in ernissione ipsius" (S. Thomas).

So lebten die weltlichen, so lange Zeiten hindurch auch diegeistlichen Äerren. Ein deutliches Bild von der seigneurialenLebensführung der Geistlichkeit in Florenz während desQuattrocento, das durchaus als typisch gelten darf für alles Lebender Reichen in vorkapitalistischer Zeit, entwirft L. B. Alb erti,wenn er folgendes sagt:Die Priester wollen alle anderen anGlanz und Prachtentfaltung übertreffen, wollen eine großeAnzahl wohlgepflegter und schöngeschmückter Rosse haben, wollenöffentlich auftreten mit einem großen Gefolge, und von Tagzu Tag steigert sich ihr Kang zum Nichtstun und ihre frecheLasterhaftigkeit. Obwohl ihnen das Schicksal große Mittel inden Schoß wirft, sind sie doch immer unzufrieden und, ohneeinen Gedanken ans Sparen, ohne Wirtschaftlichkeit, sinnen sienur darauf, wie sie ihre angestachelten Begierden befriedigenkönnen. Immer fehlt es an Einnahmen, immer sind die Aus-gaben größer als ihre ordentlichen Einnahmen. So müssen siedas Fehlende anderswo her zu ergattern suchen" ^) usw.

Ein solches Leben mußte schließlich zum wirtschaftlichenUntergang führen, und die Geschichte lehrt uns, daß ein großerTeil der alten Adelsfamilien in allen Ländern am allzu flottenLeben zugrunde gegangen sind.

Für die große Masse des Volkes war es auch in vor-kapitalistischer Zeit notwendig, da man immer nur über be-schränkte Mittel verfügte, Ausgabe und Einnahme, Bedarfund Güterbeschaffung in ein dauernd geordnetes Verhältniszueinander zu bringen. Auch hier freilich mit derselben Voran-stellung des Bedarfs, der also ein traditionell festgegebener war,und den es zu befriedigen galt. Das führte zu der Idee der